2. Kapitel: Java

|19.04. – 12.05.2017|

Land der Vulkane und Abenteuer

Vulkane, Strand und Abenteuer – das ist Java. Oder so zumindest haben wir uns es vorgestellt. Wir setzen mit der Fähre von Bali über und landen in der Küstenstadt Banyuwangi. Schon bei der Ankunft merken wir: Hier ist es anders. Java hat etwa 130 Millionen Einwohner, mehr als jede andere Insel der Erde. Mit über 1.000 Einwohnern je Quadratkilometer ist die Bevölkerungsdichte eine der höchsten der Welt. Über 90 % der Javaner sind Muslime. Anscheinend haben sie noch nicht so viele „Bule“ (Weiße) zu Gesicht bekommen, denn wir werden angestarrt wie Astronauten. Eine Gruppe Schulkinder fasst uns ungefragt an und wir werden um ein Foto gebeten. Noch sagen wir „Ja“, aber mit der Zeit sind wir von der Aufdringlichkeit, die uns hier begegnet, mehr und mehr ermüdet.

Ijen und Bromo | Land der Vulkane

Unsere Unterkunft in Banyuwangi ist ein Homestay. Es ist spartanisch, aber zweckmäßig. Vorbei ist der Urlaub, jetzt geht das Reisen los. Wir buchen gleich für die Nacht unsere erste Vulkantour, zum „Ijen“. Die Tour beginnt um 1.30 Uhr und umfasst ca. 1,5 Stunden Autofahrt, gefolgt von einem anstrengenden, da steilen Aufstieg zum Kraterrand. Auf dem Weg nach oben begegnen wir einer Vielzahl Minenarbeiter. Sie lösen Schwefel aus dem Vulkankrater und bringen es in Körben nach oben. Ein Knochenjob. Abgerechnet wird nach Kilo (1.000 IDR/kg, umgerechnet 7 Ct./kg). Also für hiesige Verhältnisse „gut bezahlt“, geht man davon aus, dass ein Arbeiter zwischen 60 kg bis 90 kg heben kann und die Tour zwei- bis dreimal am Tag absolviert. Kein Wunder, dass die Minenarbeiter daher „harte Jungs“ genannt werden. Die Kraterlandschaft ist schlichtweg beeindruckend. Als die Sonne aufgeht, erkennen wir den unnatürlich blau leuchtenden Kratersee. Er gilt als das wohl „größte Säurefass der Welt“. Im morgendlichen Sonnenlicht gibt er der Umgebung eine ganz besondere Aura. Wir schießen wie verrückt Fotos und treten dann den Rückzug aus diesem unnatürlich wirkenden Ort an. Im Homestay angekommen, schlafen wir eine Runde und machen uns bereits am frühen Nachmittag auf nach Probolinggo. Von dort wollen wir den nächsten Vulkan, den „Bromo“, besichtigen.

Nach ca. fünf Zugstunden treffen wir in Probolinggo ein. Die Besichtigung des Bromos gestaltet sich etwas schwierig. Es gibt verschiedenen Möglichkeiten den Vulkan zu erkunden. Wir wollen es allein schaffen und verzichten auf Guides und Touren. Dafür müssen wir zunächst von Probollingo in ein kleineres Dorf namens „Hölle“ – pardon: Cemoro Lawang. Da wir so spät in Probollingo ankommen, fahren keine Busse, Bemos (Sammeltaxis) oder ähnliches mehr. Wir müssen zäh mit den Taxifahrern verhandeln, die unsere Situation auszunutzen versuchen. Endlich in C.L. angekommen, sind wir gezwungen in einer grausigen Unterkunft abzusteigen. Egal. Hier gibt es andere Touristen, mit denen wir wenige Stunden später (3.00 Uhr) den Aufstieg zum Aussichtspunkt machen. Bei Sonnenaufgang genießen wir einen wunderschönen Blick auf den wolkenverhangenen Bromo und seine Kollegen. Danach machen wir uns auf, den Bromo direkt zu besteigen. Es geht über eine steppenähnliche Mondlandschaft zum Berg und letztendlich über eine Treppe bis hoch zum Kraterrand. Der Vulkan ist deutlich zu hören und der Blick in das Innere ist atemberaubend. Wäre C.L. nicht so eine miserable Stadt, würden wir sogar länger bleiben und den Bromo noch einmal besteigen. So aber machen wir uns erneut auf den Weg weiter gen Westen.

Die nächsten Stationen sind Surabaya (endlich ein weißes Bett und eine heiße Dusche) und Semarang (Infinitypool und Geburtstagsparty). Nach den Vulkanen verwöhnen wir uns etwas und lassen es ruhig angehen. Beide Städte scheinen allerdings wenig zu bieten zu haben, bringen uns dafür aber näher zu unserem nächsten Ziel: Karimunjava.

Karimunjava | Die „Malediven Javas“

Wir sind aufgeregt. Die ganze Zeit wollten wir auf diese Insel. Sie soll paradiesisch sein, wenige Touristen, weiße Strände – die “Malediven Javas“… Auf den ersten Blick werden unsere hohen Erwartungen jedoch enttäuscht. Unsere Unterkunft ist wieder mal sehr spartanisch, sie liegt direkt am Strand, aber Bauarbeiten stören die Ruhe. Außerdem ist die Insel an vielen Stellen vermüllt, kaum touristisch erschlossen, es gibt wenige Bistros mit teilweise leeren Regalen und nur vereinzelt Möglichkeiten WLAN abzugreifen. Von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr ist der Strom abgestellt. Auch Benzin für den Roller ist nur schwer zu kriegen. Die zweiwöchentliche Lieferung ist wohl am Starthafen explodiert (so oder so ähnlich). Mit Reserven im Tank, machen wir uns per Roller auf Erkundungstour und werden schließlich fündig: Weiße Strände, türkisfarbenes Meer, kaum Leute, Palmen und Kokosnüsse – ein Traum. Benzin bekommen wir abgefüllt in einer alten Sprite-Plastikflasche aus dem Boot eines Fischers. Bier findet sich in einem Kühlschrank auf dem Hinterhof einer Familie, die es uns gern (teuer) verkauft. Am Tag scheint die Insel verschlafen zu sein, am Abend erwacht sie. Unser Makan Malam (Abendessen) verspeisen wir sitzend auf Plastikplanen im Gras des Dorfplatzes. Dort wird der frischgefangene Fisch gegrillt und Satay-Spieße (Hühnchen-Spieße mit Erdnusssoße) angeboten – lecker. Die kommenden Tage verbringen wir am Strand, machen einen tollen Schnorcheltrip, essen Seafood und Papageienfische. Auch wenn der Vergleich mit den Malediven sicherlich übertrieben ist, stellen wir fest, dass Karimunjava wunderschön sein kann.

Yogyakarta, Bandung und Jakarta | Urbane Abenteuer

Genug Strand, Fisch und Moskitos. Wir haben große Lust auf anderes Essen und etwas Kultur. Daher begeben wir uns nach „Yogya“ (Yogyakarta), wo wir zunächst in einem weiteren Homestay, etwas außerhalb der Stadt übernachten. Die Familie ist sehr nett und wir freuen uns über den engen Kontakt mit den Einheimischen. Die nächsten Tage besichtigen wir zwei Tempel. Den „Prambanan“ und den „Borobudur“. Bei dem „Prambanan“ handelt es sich um eine hinduistische Tempelanlage, die im wesentlichen drei Tempel umfasst. Überall finden sich Reliefs, die die Geschichten der Götter und Menschen erzählen.

Auch der „Borobudur“, eine der größten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens, ist mit solchen geschmückt. Aufgeteilt in unterschiedliche Plateaus hat der „Borobudur“ die Form einer Stufenpyramide und soll das Universum nachbilden. Daher sieht er von oben betrachtet aus wie ein Mandala. Wir besteigen zuerst das oberste Plateau, wo sich diverse Buddha-Statuen in sog. Stupas (glockenähnliche Gebilde) befinden. Hier in der „Welt der Formlosigkeit“ befindet sich das Überirdische. Begibt man sich auf die unteren Plateaus, wird in unzähligen Wandreliefs das Leben Buddhas sowie die Geschichten der irdischen Menschheit dargestellt. Die Tempelanlage ist sehr schön und gut erhalten.

Nach dieser „Tempelei“ beschließen wir unseren Umzug in die Stadt. Es gibt in Yogya eine Straße, die „Jalan Prawirotaman“, die gewisse westliche Annehmlichkeiten bietet und so suchen wir uns eine Unterkunft dort in der Nähe. Endlich vegetarisches Essen, Hipster-Smoothies und Cheesecake. Wir essen dreimal im selben Restaurant und lassen es uns gut gehen. In Yogya selber gibt es neben dem „Kraton“ (da lebt der Sultan der Stadt mit seinen Bediensteten – langweilig) einiges zu sehen. So erkunden wir u. a. die „Watercastle“ (Wasserburg) inklusive „Underground Mosque“ (unterirdischer Moschee), die unerwarteterweise echt cool sind und tolle Motive für Fotos bieten. Yogya hinterlässt einen sehr guten Eindruck bei uns und eigentlich wollen wir noch etwas bleiben. Aber nach einer Woche geht es weiter zur nächsten Stadt: Bandung.

Bandung ist ein Reinfall. Bekannt für das angeblich hervorragende Essen, die tollen Shoppingmöglichkeiten und das lebhafte Studentenleben hinterlässt es bei uns einen säuerlichen Nachgeschmack. Unsere Unterkunft ist so miserabel, dass wir eine offizielle Beschwerde an Airbnb schicken. Das Essen ist eher durchschnittlich und war am letzten Tag leider verdorben. (Die Konsequenzen bleiben der Phantasie überlassen). Wir versuchen uns im Shopping, stellen aber fest, dass „asiatisches Shopping“ eben nicht ein Eis schleckend über die Fußgängermeile schlendern, bedeutet, sondern schlichtweg Krieg. Wir werden angestarrt, zugequatscht und fühlen uns einfach nur unwohl, fast schon unerwünscht. Letztendlich verlassen wir die Stadt und erkunden die umliegende Teeplantagen. Dort können wir etwas aufatmen. Trotzdem – nach 3 Nächten verlassen wir genervt die Stadt und fahren durch wunderschöne Berglandschaften und Reisterrassen mit dem Zug nach Jakarta.

Die Hauptstadt Indonesiens ist mit ca. 10 Millionen Einwohner eine typisch asiatische Großstadt, die es eigentlich zu meiden gilt. Wir aber, sind angenehm überrascht. Es gibt zwar Slums und Dreck, aber auch einige interessante Sehenswürdigkeiten, z. B. das Nationaldenkmal (Monas), das Nationalmuseum, so etwas wie eine „Altstadt“ und ein schickeres Bankenviertel. Ganz entspannt erkunden wir die Stadt. Unseren letzten Abend verbringen wir über den Dächern Jakartas, in einer etwas schickeren Skybar. Dort lassen wir die letzten fünf Wochen Indonesien Revue passieren. Es war eine gute Zeit, wir haben viel erlebt, müssen uns aber auch eingestehen: Es reicht jetzt. Zu viele Großstädte, zu wenige Highlights am Ende. Wir freuen uns auf das nächste Kapitel unserer Reise: Borneo.


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