3. Kapitel: Borneo

|12.05. – 24.05.2017|

Die Insel der Affen und Strände

Knapp zwei Wochen haben wir für Borneo eingeplant. Die drittgrößte Insel der Welt ist auf die drei Staaten Indonesien, Malaysia und Brunei aufgeteilt. Wir werden Sabah, den malaysischen Teil im Norden Borneos bereisen. Dort erwarten wir tiefsten Dschungel, eine rudimentäre Infrastruktur und kein Internet. Dafür Orang-Utans und jede Menge Mücken. Mit Familie und Freunden führen wir letzte Telefonate, denn jetzt, so glauben wir, beginnt das richtige Abenteuer fernab jeglicher Zivilisation.

Kota Kinabalu | Klein, aber fein

Als wir in Kota Kinabalu („KK“) landen, finden wir jedoch eine wirklich saubere und gut strukturierte Stadt mit Shoppingmalls und stabilem WLAN vor. Der Verkehr ist überschaubar und es sind Gehwege vorhanden. Die Malaien wirken freundlich und sind anscheinend an Touristen gewöhnt. Keiner starrt uns an. Endlich können wir durch die Gegend „bummeln“ ohne angequatscht zu werden. Auf der „Gaya-Straße“ testen wir das für Malaysia ganz typische breite kulinarische Angebot: Malaysisch, chinesisch und indisch (entsprechend der vorzufindenden Bevölkerungsgruppen). Wir unternehmen einen Ausflug auf die Inseln „Sapi“ und „Manukan“. „Sapi“ soll gut zum Schnorcheln sein. Vor Ort sehen wir allerdings nur chinesische Touristen, die mit Rettungswesten bekleidet (die meisten können nicht schwimmen) und mit Selfiesticks ausgerüstet, einem tüchtig die Laune verderben können. „Manukan“ hingegen ist wesentlich ruhiger und lädt zum Entspannen ein. Am Abend fällt unsere Wahl auf frischen Hummer und Riesengarnelen auf dem Fischmarkt. Auf einfachen Tischen sind dort frischer Fisch und Meeresfrüchte aufgetürmt. Wir suchen das Objekt der Begierde aus, verhandeln Preis und Zubereitungsmethode und lassen es uns schmecken.

Sandankan und Sepilok | Zwischen Orang-Utans und Palmölplantagen

Anschließend geht es nach Sandakan, einer nicht sehr schönen und etwas heruntergekommenen Stadt. Von dort ist es nicht weit nach Sepilok, das u. a. das „Orang-Utan Rehabilitation Centre“, eine der bekanntesten Aufzucht- und Schutzstationen für Orang-Utans weltweit, beherbergt. Auch werden wir in Sepilok unsere Dschungelexpedition starten.

Mit unserem Reiseführer, dem „legendären Mr. Aji“, geht es los in die Wildnis. Mr. Aji ist ein „klassischer Naturkauz“. Mit langen Haaren und Safarihut scheint er sich komplett der Natur und Tierwelt verschrieben zu haben. Er kann Tierlaute imitieren und hat sein Auto mit unzähligen Tierfotos geschmückt. Die Dschungeltrips scheinen ihm eher Spaß zu machen, als dass er damit Geld verdienen will. Nach einer längeren Autofahrt landen wir in einem kleinen Dorf, direkt am Fluss Kinabatangan und starten mit einer Fluss-Safari. Durch das unverantwortliche Handeln der malaysischen Regierung ist mittlerweile ein Großteil des Regenwaldes in Sabah abgeholzt und durch Palmölplantagen ersetzt worden. In Folge musste auch die Tierwelt weichen und hat sich nun am Kinabatangan-Becken angesiedelt. Die Tiere zu beobachten macht Spaß. Wir sind ganz leise und einzig darauf konzentriert, Orang-Utans, Vögel und vielleicht Krokodile oder gar Elefanten zu entdecken. Nach einiger Zeit werden wir fündig und beobachten u. a. den Nashornvogel, Makaken (Affen) und die berühmten Langnasenaffen. Wilde Orang-Utans sehen wir hier noch nicht, entdecken diese aber in einem anderen Nationalpark am nächsten Tag. Wir beobachten ein Weibchen und ihr Junges und werden wenig später auf ein vermeintliches Männchen aufmerksam. So etwas ist selten. „We’re going in!“ („Wir gehen hinein!“) ruft uns Mr. Aji deshalb zu und verschwindet in den Tiefen des Dschungels. Wir kämpfen uns durchs Gehölz, während Mr. Aji mit Geschrei und Schlägen an den Baum, verzweifelt versucht, den Orang-Utan zum Herunterkommen zu bewegen. Nichts zu machen. Wir lachen über dieses skurrile Erlebnis und fahren zurück nach Sepilok. Da wir uns richtig gut mit David und Sue (ein australisches Pärchen um die 50 Jahre) aus unserer Gruppe verstehen, beschließen wir, zusammen das „Sunbear Conservation Centre“ (Sonnenbär oder Malaienbär) zu besuchen. Sonnenbären sind die kleinsten Bären der Welt. Eine halbmondförmige, gelbliche Kennzeichnung auf der Brust hat ihnen diesen Namen gegeben. Sie sind mittlerweile vom Aussterben bedroht, u. a. da Menschen die Jungen als Haustiere halten. Sobald sie ausgewachsen sind, werden sie geschlachtet. Zusätzlich gefährden Waldrodungen (vor allem für Palmölplantagen) ihren Lebensraum. In dem Areal bekommen wir eine gute Vorstellung von Lebensweise und -raum dieser Bären. Gleichzeit wächst unsere Abneigung gegenüber Palmöl.

Die Freundschaft mit David und Sue wird schlussendlich besiegelt, als die beiden uns am Abend in ihr 4-Sterne-Hotel mit Infinitypool einladen. Auf einmal fühlt sich das Leben so leicht an. Wir entfliehen dem Backpacker-Dasein und thronen über dem Chaos von Sandakan. Auch so kann Borneo sein.

Am darauffolgenden Tag fahren wir noch einmal nach Sepilok. Wir wollen das „Orang-Utan Rehabilitation Centre“ besuchen. Wie die Sonnenbären sind Orang-Utans stark gefährdet und vom Aussterben bedroht. In solchen Einrichtungen werden die „Menschenaffen“ daher zeitweise aufgenommen, ärztlich betreut, gefüttert und wieder in die Wildnis entlassen. Wir können unser Glück kaum fassen, als in ca. 80 cm Entfernung ein Orang-Utan seelenruhig an uns vorbeiläuft. Später beobachten wir eine Mutter und ihr Baby während der Fütterung. Obwohl wir uns über die Orang-Utans sehr gefreut haben, wird das „Rainforest Discovery Centre“ (Regenwald Entdeckungszentrum) unser Highlight an diesem Tag. Etwas außerhalb von Sepilok gelegen, übersehen es die meisten Touristen. Wir sind ganz begeistert, denn in dem Park gibt es einen Baumwipfelpfad, von dem aus wir einen weiteren Orang-Utan und unzählige Vögel entdecken. Der Ausblick von da oben ist atemberaubend. Leider werden wir vom Tropenregen überrascht und können diesen schönen Park nur kurz erkunden.

Semporna | Aische und die Inseln

Die Reise führt uns weiter nach Semporna, in den Süden Sabahs. Die Stadt ist ein Grauen, dafür soll es unfassbar schöne Inseln geben. Bei dem Anblick unserer Unterkunft müssen wir etwas schlucken – ein Backpackerhostel der weniger feinen Art. Trotzdem bleiben wir. Nicht nur, weil die Stadt ziemlich ausgebucht ist, sondern auch weil es Aische, die gute Seele des Hauses, gibt. Aische ist ein 29 Jahre altes, unverheiratetes Mädchen (ungewöhnlich für Malaysia), das in dem Hostel wohnt. Sie ist Rezeptionistin, Putzfrau, Köchin und Tourismusbeauftragte in einem. 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Zwei Tage im Monat hat sie frei. Das Haus verlässt sie nur, um kurz Besorgungen zu erledigen. Sie schläft in einem zwei Quadratmeter großem Raum hinter der Theke, in dem sie auch kocht. Die Inseln, die abertausende von Touristen anziehen, hat sie noch nie besucht. Das schockiert uns, obwohl wir eigentlich um die hiesigen Verhältnisse wissen. Wir hoffen, dass etwas Trinkgeld diesen Umstand vielleicht einmal ändern könnte. Denn die Inseln sind wirklich schön.

Zwei Tage lang unternehmen wir Bootstrips und sehen kleinere unbewohnte Inseln mit traumhaften weißen Stränden und Palmen. Aber es gibt auch größere Inseln mit richtigen Behausungen, Dorfplatz und zugemüllten Stränden.

Bei diesen Touren wird uns ein Erlebnis insbesondere im Gedächtnis bleiben: Der Besuch eines Dorfes, das im Wasser gebaut ist. Bei unserer Ankunft werden wir von den Dorfbewohnern mit ihren Kajaks verfolgt. Sie entern unser Boot und fangen an zu betteln. Der Bootsmann hat das ganze entweder arrangiert oder ist zumindest vorbereitet. Er hält uns an, abgepackte Tütensuppen zu verteilen. Wir sind wie gelähmt und wissen nicht mit dieser Situation umzugehen. Die Menschen scheinen diese „Gaben“ wirklich zu benötigen. Sie geben erst Ruhe, als wir nichts mehr zu geben haben. Groteskerweise entstehen in dieser Szene – kristallklares blaugrünes Wasser, braune kleine Jungs und ihre Mütter mit weißen Gesichtern (eine Art Sonnenschutzcreme, nehmen wir an) – wunderschöne Fotos. So etwas haben wir noch nicht erlebt!

Tawau und KK | Rückzug

Die letzten Tage lassen wir es ruhig angehen. Wir müssen nach Tawau um unseren Rückflug nach KK anzutreten. Dort erwartet uns nicht viel. Wir besuchen einen kleineren Nationalpark und wandern noch einmal durch den unvergleichlichen Regenwald. Zurück in KK, gibt es ein letztes Mal gutes malaysisches Essen bevor wir unseren nächsten Flug antreten. Wir wollen ins Paradies: Es geht auf die Philippinen!


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