4. Kapitel: Philippinen

|24.05. – 14.06.2017|

Lohnende Strapazen für wahres Inselleben

Ankunft in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Eigentlich waren die Philippinen auf dieser Reise nicht eingeplant gewesen, jedoch hat es nur wenig Überredungskunst gebraucht, um uns vom Gegenteil zu überzeugen. Türkisfarbenes Wasser, unberührte Strände und das beste Seafood der Welt – davon hat unser guter Kumpel Paul, der über zwei Jahre vor Ort gelebt hat, monatelang geschwärmt. Paul war dann auch derjenige, der eine Route vorgeschlagen hat und unser Guide aus der Ferne blieb. Als Ziel haben wir Palawan gewählt, das kürzlich zur „schönsten Insel der Welt“ gekürt wurde und im Süden der Philippinen liegt. Doch bis dahin, ist es noch ein langer Weg…

Manila | Moloch mit subtilem Charme

In Manila gibt es natürlich erst einmal keine Strände. Dafür ist das Verkehrsaufkommen unglaublich und wir brauchen fast zwei Stunden zu unserem Hostel. Wir übernachten in Malate, dem „hippen Backpacker-Viertel“ der Stadt. Am ersten Abend treffen wir Stanley, einen Freund von Paul und eine große Nummer im Seafood-Business. Stanley lädt uns zu einem Festessen ein. Es gibt Hummer in Käsesauce, Fisch, Garnelen, Krabben und andere Meerestierchen, die wir in einer solchen Qualität und Menge noch nie gegessen haben. Es ist eine riesengroße, aber unglaublich leckere Sauerei. Dazu werden die wohl weltbesten Mangoshakes gereicht. Stanley taut mit der Zeit auf und wir ergreifen die Gelegenheit, um mit ihm über Politik und Wirtschaft zu diskutieren. Wie bereits vermutet, sind Korruption und Drogen ein großes Problem. Damit einher geht ein hoher Grad an (organisierter) Kriminalität. Nun können wir etwas mehr nachvollziehen, warum die Menschen einen Mann wie Rodrigo Duterte zu ihrem Präsidenten gewählt haben. Duterte will mit krassen Maßnahmen wie der Wiedereinführung der Todesstrafe oder dem Aufruf zur Ermordung von Drogendealern die hiesigen Probleme lösen. Unterstützenswert ist seine Politik unserer Ansicht nach trotzdem nicht.

Obwohl Manila bestenfalls als „Moloch mit subtilem Charme“ bezeichnet werden kann, Duterte in diesen Tagen das Kriegsrecht in der südlichen Region Mindanao verhängt und wir ein kleines Erdbeben erleben, bleiben wir länger als geplant. Wir erkunden u. a. „Intramuros“ (die spanische Altstadt), gehen shoppen und trinken Mangoshakes bis zum Umfallen. Nach drei Nächten machen wir uns endlich auf in den Süden.

Talipanan | Erste Erfahrungen mit gängigen Transportmitteln

Zunächst geht es mit dem Bus nach Batangas (zwei Stunden südlich von Manila), danach weiter mit dem Boot zum „Talipanan Beach“. In Batangas besteigen wir eine Fähre, bei der es sich um ein mittelgroßes Boot mit ca. 80 Passagieren handelt. Etwas mulmig ist uns schon. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir jedoch sicher Talipanan. Im strömenden Regen und mit nackten Füßen gehen wir direkt am Strand von Board. Wir fühlen uns wie wahre Abenteurer! Wir haben zu diesem Zeitpunkt noch keine Unterkunft, was u. a. daran liegt, dass die Unterkünfte auf den bekannten Buchungsportalen teuer, rar oder schlichtweg nicht vorhanden sind. Wenige Meter entfernt, erspähen wir eine mögliche Bleibe und haben Glück. Nach kurzen Verhandlungen, können wir unser gemütliches Bambuszimmer mit Blick über den Strand beziehen. Am nächsten Tag klart es auf und wir werden von der Sonne geweckt. Die Aussicht auf das Meer auf der einen und die Berge auf der anderen Seite, ist einfach traumhaft. Wir gehen schwimmen, machen eine Paddeltour zum nächsten Strand, sammeln Muscheln und verbringen die Zeit in der Hängematte. Obwohl wir gerne ewig bleiben würden, verbringen wir nur zwei Tage an diesem Strand. Wir müssen weiter, denn Palawan ist noch ein gutes Stück entfernt.

Sablayan und Pandan Islands | Lohnende Strapazen

Jetzt wird es wirklich abenteuerlich. Wir wollen auf die „Pandan Islands“ (Pandaninsel), ein an sich bekannter Touristenspot, der grundsätzlich mit Bus und Boot zu erreichen ist. Leider gibt es hier keine ausgebaute Infrastruktur. Die Straße befindet sich seit Jahren im Bau, sodass wir von unserer Unterkunft zunächst laufen müssen. Sobald möglich, sollen wir ein Tricycle (ein Motorrad mit angebauten Beiwagen) zur Bootsanlegestelle nehmen. Ein Boot, das übrigens nur einmal täglich fährt, wird uns dann in den nächsten Ort bringen, der wieder an eine Straße angebunden ist. Dort können wir einen Van nach Sablayan besteigen. In Sablayan wollen wir zunächst übernachten, um am nächsten Tag auf die „Pandan Islands“ überzusetzen. Wir können es selber nicht glauben, aber alles klappt nach Plan und wir erreichen am Abend unser Ziel. Dabei erleben wir nicht nur die verrückteste Fahrt unseres Lebens, sondern auch eine wunderschöne Landschaft. Nach dieser Odyssee schockiert uns auch die Überfahrt nach Pandan nicht mehr. Unser Boot ist winzig-klein. Wir halten die Luft an, bewegen uns keinen Zentimeter und kommen nur dank dem ruhigen Meer, trocken und sicher an. Und… es hat sich gelohnt! Die „Pandan Islands“ sind ein Traum. Wenige Meter vom Strand sehen wir riesige Schildkröten im blau-klaren Wasser. Wir verbringen die Tage damit Kokosnüsse zu schlürfen, zu schnorcheln und zu schlafen. Dieses Inselleben könnte nicht besser sein. Es ist aber auch immer wieder nötig, um sich von den Strapazen des Reisens zu erholen.

Coron | Einstieg in das Inselhopping

Wir verlassen „Pandan Islands“ in der Hoffnung in wenigen Stunden in San José zu sein. Erneut wollen wir mit einer Fähre am darauffolgenden Tag nach Coron übersetzen. Diese fährt nur dreimal die Woche. In Coron haben wir bereits eine mehrtägige Tour gebucht (und bezahlt), sodass wir zum vereinbarten Zeitpunkt dort eintreffen müssen. Leider ist auch diese Reise beschwerlich. Dadurch, dass unser Van über zwei Stunden verspätet eintrifft, Leute konstant zu- und einsteigen, ein Reifen platzt und eine Brücke gesperrt ist, kommen wir erst spät am Abend in San José an. Wir finden ein Hotel und können, wohl mit viel Glück, noch ein Ticket für die Fähre reservieren. Am nächsten Tag sitzen wir wieder mit 80 Filipinos auf einem mittelgroßen Boot, zwischen uns Kartons und kleine Kinder. Trotzdem finden wir etwas Beinfreiheit und fahren mit flotten 15 km/h Coron entgegen. Nach knapp sieben Stunden ist es dann auch schon geschafft. Umgeben von grünbewachsenen Bergen im Wasser, wirkt die Stadt aus der Ferne sehr verlockend. Vor Ort ist sie dann leider eher enttäuschend. Alles ist etwas chaotisch und schmutzig. Ein richtiges „Beachflair“ mag hier nicht aufkommen. Schleunigst buchen wir eine „Inselhopping“-Tour, schauen uns grüne Lagunen und wirklich tolle Korallenriffe an. Die eigentliche Hauptattraktion, der „Kayangan See“, eine Mischung aus Süß- und Salzwasser, ist sehr überlaufen, aber trotzdem die Reise wert.

Irgendwo zwischen Coron und El Nido | Die wahren Philippinen

Von Coron starten wir mit der legendären „Tao Expedition“. Fünf Tage, vier Nächte werden wir von Coron nach El Nido schippern und das philippinische Inselleben in uns aufsaugen. Kein Internet, kein Handy, sondern „Inselzeit“, was so viel heißt wie, kein vorgefertigter Plan – „go with the flow“ („lass dich treiben“). Am ersten Tag besteigen wir früh unser Boot. Es ist wunderschön. Blauweiß gestrichen, durchgedacht und groß genug für die ca. 20 Passagiere. Die Crew besteht ausschließlich aus Jungs. Sie sind hilfsbereit, liebenswert, sehr witzig und singen den ganzen Tag. Aufgewachsen auf den Inseln, bietet ihnen die Tao Organisation eine Ausbildung und damit eine Alternative zum Leben als Fischer.

Die nächsten Tage erkunden wir unbewohnte Inseln, einsame Schnorchelspots und traumhafte Strände. Wir sehen alte japanische Wracks, unzerstörte und farbenfrohe Korallenriffe, Schildkröten und Lagunen. Jede Nacht schlafen wir in einem anderen Camp auf einer anderen Insel. Dort übernachten wir auf dünnen Matratzen in spartanischen Hütten, einzig durch ein Moskitonetz geschützt. Die Dusche besteht aus einem großen Fass mit einer Kelle. Die Toilette ist eine einfache Kloschüssel mit einem Eimer Wasser zum Nachspülen. Vor dem Abendessen wird zumeist noch eine Runde Basketball gezockt, denn Filipinos lieben diesen Sport. Das Essen ist ausnahmslos hervorragend, da die Jungs auch das Kochen gelernt haben und uns mit frischem Fisch, Fleisch, leckerem Gemüse und Unmengen an Früchten versorgen. Wer mag, kann dem Koch- bzw. Schlachtprozessen beiwohnen. Schnell gewöhnen wir uns an dieses Leben, das natürlich nicht nur Sonnenseiten hat. Zeitweilig mag das Wetter nicht so richtig mitspielen (die Regensaison hat früh begonnen), unsere Körper sind an so viel Sonne sowie das Essen und Trinken nicht gewöhnt und auch die Mücken können eine echte Plage sein. Doch das stört uns wenig. Wir erleben eine so unberührte Welt und eine atemberaubende Natur, dass wir die „Tao Expedition“ schnell zu dem Höhepunkt unserer Philippinen-Reise erklären. Nach fünf erlebnisreichen Tagen erreichen wir unser Ziel: El Nido, eine kleine Hafenstadt. Mit etwas Wehmut gehen wir an Land, freuen uns aber zugleich auf eine heiße Dusche und richtige Betten.

Port Barton und Puerto Princesa | Seichter Ausklang

Nach dieser Tour, wollen wir die verbleibenden Tage nicht mehr umherreisen, sondern uns an einem Strand niederlassen. Eine letzte stressige Van-Fahrt über Stock und Stein bringt uns in das verschlafene Port Barton, von wo aus wir ein Boot zu einem Resort nehmen. Drei Nächte verbringen wir abgeschieden in einer eher rustikalen Bambushütte. Wir haben Strom, wenn der Generator läuft (oder nicht) und genießen die Ruhe. Einzig mit dem Paddelboot erkunden wir die Gegend. Am Tag unserer Abreise ist das Wetter noch einmal traumhaft. Der Strand sieht wie die Fototapeten aus dem Baumarkt aus. Etwas traurig besteigen wir ein letztes Mal ein Boot und anschließend einen Van, der uns nach Puerto Princesa, der Hauptstadt Palawans, fährt. Wir haben es geschafft. Von Puerto Princessa fliegen wir zurück nach Manila und von dort aus weiter nach Kuala Lumpur. Unsere nächsten Ziele sind Westmalaysia und Singapur – Etwas Zivilisation nach den verrückten, aber atemberaubend schönen Philippinen.


Ein Gedanke zu “4. Kapitel: Philippinen

  1. Das Insel hopping hört sich faszinierend an, die Bemerkungen über die politische Situation eher bedrückend. Duterte passt natürlcih zu allen den Durchgeknallten, die dereit auf der Welt herumlaufen und von der allgemeinen Unsicherheit profitieren. Heiko

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