7. Kapitel: Laos

|16.07. – 27.07.2017|

Schwer zu überwindende Vergangenheit

Nachdem wir einige Tage die westlichen Annehmlichkeiten des weit entwickelten Thailands genossen haben, machen wir uns auf den Weg zu einem kurzen Abstecher nach Laos. Hier wollen wir vor allem den Dschungel und die Natur erkunden, aber auch mehr über die Geschichte des Landes lernen. Laos gehört nicht nur zu den ärmsten Nationen der Welt, es hat im Zuge des Vietnamkrieges auch den traurigen Titel des am stärksten bombardierten Landes erworben. Nirgendwo sonst, wurden mehr Bomben pro Person abgeworfen. Diese schlimme Vergangenheit scheint noch nicht überwunden zu sein und wir wollen mehr über diese Seite des Landes erfahren.

Ban Houayxay | Grenzerfahrungen

Der Bus von Chiang Mai in Thailand, der uns zur Grenze nach Laos bringt ist pünktlich, sauber und sehr bequem. Thailand gehört zu den am besten entwickelten Ländern Südostasiens, die Menschen sind Touristen gegenüber aufgeschlossen und zumeist freundlich. Als wir hingegen in Laos einreisen, bietet sich uns schnell ein anderes Bild. Die Tuk-Tuk-Fahrer wirken auf uns gierig und sind unhöflich. Sie wollen nicht mit sich handeln lassen und nutzen uns bei jeder Gelegenheit gnadenlos aus. Dabei handelt es sich zumeist um Kleinbeträge, dennoch werden wir das Verhalten der Laoten, sei es bei den Tuk-Tuk-Fahrern, im Guesthouse oder in den Reisebüros, noch häufig als sehr unangenehm empfinden.

Als wir die Grenzstadt Ban Houayxay erreichen, sind wir uns zunächst unschlüssig. Eigentlich wollten wir mit einem „Slow Boat“ (langsamen Boot) zwei Tage lang auf dem Mekong nach Luang Prabang schippern, aber irgendwie macht das jeder und wir haben Lust die ausgetretenen Backpackerpfade zu verlassen. Etwas Hals über Kopf buchen wir ein Busticket, checken aus unserem Hotel wieder aus und sitzen wenig später in einem Bus nach Luang Namtha.

Luang Namtha | Ländlich und arm

Luang Namtha ist eine Kleinstadt im Norden Laos. Der Ort ist nach dem Fluss „Tha“, an dem er liegt, benannt. Die meisten Touristen kommen nach Luang Namtha, um von hier aus Wanderungen in den „Nam Ha Nationalpark“ zu unternehmen. Wir entscheiden uns für eine Tour, die einen Tag Wandern und einen Tag Kayaking umfasst. Da solche Touren mit höherer Teilnehmeranzahl günstiger werden, quatschen wir beim Frühstück kurzerhand unsere Tischnachbarn an. Ray und Ray sind zwei Opis aus Australien, die mit uns die Tour machen wollen. Am nächsten Tag gesellen sich noch Dee und Brett, ebenfalls Australier, dazu. Das Wandern durch den Dschungel ist anstrengend, aber schön. Pon, unser Reiseführer, erklärt einiges zu Flora und Fauna und hält uns als Truppe gut zusammen. Bereits in den ersten Stunden merken wir allerdings, dass die alten Rays nicht mehr ganz so fit sind. Also legen wir häufiger Pausen ein und gehen es entspannter an. Das Essen auf diesem Trip besteht aus dem für Laos typischen „sticky rice“ (Klebereis), diversen Gemüsesorten und manchmal Fleisch. Sehr einfach, aber gut und sättigend. Gegen Nachmittag erreichen wir das Dorf, in dem wir übernachten werden. Unsere Unterkunft, ein Bambushaus, unterscheidet sich kaum von dem der Dorfbewohner. Wir schlafen auf dünnen Matten auf dem Boden und bekommen nachts Besuch von Kakerlaken. Man hätte sich mehr Mühe geben können, auf der anderen Seite wollen wir keine Extrabehandlung. Das Leben ist hier halt so. Die Bambushütten sind halb verfallen und dreckig. Es gibt keine Elektrizität, dafür jede Menge freilaufende Schweine und Hühner. Wie drei Viertel der laotischen Bevölkerung, leben diese Leute von der Landwirtschaft. Man ernährt sich von dem Reis, den man selber auf den Feldern anbaut. Gibt es in einem Jahr eine schlechte Ernte, muss die Familie hungern oder Schulden aufnehmen. Ein staatliches Sozialversicherungssystem existiert nicht. Obwohl die Menschen im Dorf sicherlich an Touristen gewöhnt sind, bekommen wir nicht den Eindruck, dass sich über unsere Anwesenheit sehr freuen. Sie sind nicht neugierig, sondern verschlossen und scheinen uns eher als eine willkommene Einkommensquelle zu sehen. Nach einer qualvollen Nacht, machen wir uns am nächsten Tag auf, ca. 25 km flussabwärts zu paddeln. Hierbei erweisen sich die Stromschnellen als größer und gefährlicher als gedacht. Eins der Boote kentert sogar, wir aber schlagen uns wacker und zu Schaden kommt keiner. Zwischendurch erkunden wir die umliegenden Dörfer, wobei sich ein ähnliches Bild wie am Tag zuvor bietet: Große Armut und ein geringer Lebensstandard. Außerdem sieht man einigen Dorfbewohnern den in der Gegend stark verbreiteten Opiumkonsum deutlich an. Wie selten auf dieser Reise, sehen wir mit eigenen Augen ein Land, das noch heute zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt gehört. Das macht uns teilweise sehr betroffen.

Luang Prabang | Touristische Blase

Mit dem Nachtbus erreichen wir das Städtchen Luang Prabang, das weiter südlich an dem Fluss Mekong liegt. Bereits 1995 wurde es zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Das hat Luang Prabang offensichtlich gutgetan. Die Gebäude sind wunderbar erhalten und das Stadtbild strahlt eine gewisse Eleganz und Entspanntheit aus. Kein Wunder also, dass Luang Prabang zu den wichtigsten touristischen Zielen in Laos gehört. Wir besichtigen Tempel, lassen uns durch die Gassen treiben und freuen uns über den französischen Einschlag, der vor allem in kulinarischer Hinsicht spürbar wird: Endlich gibt es guten Kaffee, Croissants und Sandwiches. Außerdem sind die Menschen etwas freundlicher und aufgeschlossener, obwohl sie weiterhin sehr auf unser Geld fixiert zu sein scheinen. In Luang Prabang besuchen wir den „Kuang-Si-Wasserfall“ und ein kleines Museum, das sich mit „Unexploded Ordnance“ (UXO, übersetzt: Blindgängern) beschäftigt. Obwohl sich Laos im Vietnamkrieg nie offiziell eingemischt hat, wurde es von den US-amerikanischen Streitkräften stark unter Beschuss genommen. Grund dafür war der berühmte „Ho-Chi-Minh-Pfad“, eine Versorgungsroute der Vietnamesen, die nicht nur durch Vietnam, sondern auch durch Laos und Kambodscha führte und von den US-Amerikanern massiv bombardiert wurde. Insbesondere die damals abgeworfenen Streubomben richten noch immer immensen Schaden an. Es vergeht kein Tag in Laos, an dem nicht ein Mensch an den Folgen von unkontrollierten Blindgängern stirbt. Ganze Regionen müssen gesperrt bleiben, da der Regierung die finanziellen Mittel fehlen, die verbleibenden Bomben und Landminen zu beseitigen. Wir bekommen somit in diesem Museum Einblicke in eine weitere traurige Facette von Laos.

Vang Vieng | Neue Zeiten   

Mit dem Minibus fahren wir weiter südlich in das berüchtigte Vang Vieng. Bekannt wurde es durch das „Tubing“, bei dem sich Touristen auf Autoreifen den Fluss hinuntertrieben ließen und dabei exzessiv Alkohol und Drogen konsumierten. „Happy Pizza“ oder „Happy Shakes“ (mit Opium, Marihuana oder Giftpilzen versetzte Speisen) gab es damals an jeder Ecke. Die damit einhergehende steigende Anzahl von Todesopfern, hatte die Regierung schließlich zum Einschreiten genötigt und so ließ sie die unzähligen Bars vor einigen Jahren abreißen. Nun versucht sich Vang Vieng neu zu erfinden, was bei der unglaublichen schönen Landschaft, die aus Kalkbergen, Reisfeldern und Höhlen besteht, nicht schwerfällt. Wir erkunden mit Paddelboot und Fahrrad die beeindruckende Gegend und versuchen den Massen von südkoreanischen Touristen zu entkommen, die Vang Vieng vor allem aus einer TV-Seifenoper kennen. Dabei klettern wir in verschiedene Höhlen und besichtigen erneut einen Wasserfall. Die Idylle der Umgebung ist wunderbar und wird nur hin und wieder von lauffaulen Südkoreaner, die auf laut röhrenden Buggys über die Berge düsen, gestört.

Vientiane | Abschied ohne Wehmut

Die letzten Tage verbringen wir in der Hauptstadt von Laos, die allerdings nicht so viel zu bieten hat. Abends können wir die Leute an der Promenade bei ihrer Freiluftaerobic beobachten. Gleich daneben befinden sich die für Südostasien typischen Märkte mit Krimskrams und Streetfood. Außerdem gibt es verschiedene Tempel zu besichtigen und ein weiteres „UXO-Museum“ zu besuchen. Doch irgendwie ist bei uns die Luft raus. Obwohl Laos landschaftlich so wunderschön ist, ist das Bild von diesem Land getrübt. Selten sind wir mit den Einheimischen warm geworden und waren häufig von der ständigen Abzocke genervt. Dass Laos es zudem noch nicht zu schaffen scheint, die Altlasten seiner Vergangenheit zu überwinden, hat uns traurig gemacht. So schließen wir mit diesem Land zunächst einmal ab und machen uns mit dem Flieger auf in das nächste Abenteuer: Vietnam.


2 Gedanken zu “7. Kapitel: Laos

  1. Es ist schon etwas bedrückend, was Ihr über die Atmosphäre in dem Land schreibt. Auch über das Verhältnis von Tourismus und Bevölkerung. Aber ich frage mich, woran und an wem liegt es. Sind es wirklich die Leute? Viel Spaß in Vietnam, ich bin gespannt.

    Heiko

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  2. Interessanter Artikel da ich vor Jahren nur den Grenzbereich von Laos kennengelernt habe und den gleichen Eindruck hatte von den Menschen verstehe ich Euch gut.Das was Du ûber die Natur und Ausflüge geschrieben hast war sehr interessant viel Spaß noch auf Eurer Tour Andreas

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