9. Kapitel: Kambodscha

|19.08. – 31.08.2017|

Zwischen Tempel und Gräueltaten

Wenn man an Kambodscha denkt, fallen einem sofort zwei Dinge ein: Angkor Wat, die wohl bekannteste Tempelanlage der Welt und die „Roten Khmer“, deren Schreckensherrschaft Kambodscha in den 1970er-Jahren unermessliches Leid hinzugefügt hat. Das Regime unter Pol Pot versuchte auf brutalste Weise eine neue Gesellschaft zu schaffen, die auf der Abkehr von Fortschritt und Intellektualität und der Rückkehr zu einem Bauernstaat fußen sollte. Die Gewalttaten der „Roten Khmer“ forderte schätzungsweise zwischen 1,4 und 3 Millionen Opfer (ca. ein Viertel der damaligen Bevölkerung) und machten somit jedermann betroffen. Wir begeben uns in Kambodscha also auf eine Reise, die uns nicht nur schöne Dinge zeigen wird.

Phnom Penh | Traurige Erinnerungen

Mit dem Bus erreichen wir Phnom Penh, das weniger wie eine Hauptstadt anmutet, sondern eher einen gemächlichen Eindruck macht. Die Menschen sind auf eine angenehme Art freundlich und weniger aufdringlich, als wir es in den letzten Wochen erlebt haben. In Phnom Penh gibt es neben dem Königspalast, der „Silbernen Pagode“ und einigen Tempeln, wertvolle Erinnerungsstätten, die sich mit den Gräueltaten der „Roten Khmer“ beschäftigen. Zu den wichtigsten zählen das „Tuol Sleng Genozid Museum“, das sich heute in dem ehemaligen „S 21 Gefängnis“ befindet und die „Killing Fields“ von Choeung Ek, ein Massengrab mit den Überresten tausender Menschen. Wir finden einen Tuk-Tuk-Fahrer, der sich bereit erklärt, uns zu beiden Orten zu fahren. Zunächst geht es zu den „Killing Fields“, die etwas außerhalb von Phnom Penh liegen. Der Anblick ist auf den ersten Blick trügerisch friedlich. Wir sehen hügelige Flächen, die von einem kleinen Teich umgeben sind und in deren Mitte sich ein Turm befindet. Bald erfahren wir, das auf diesen Felder ca. 17.000 Menschen auf brutalste Weise umgebracht wurden. Allein ein Verdacht oder das Tragen einer Brille (Brillenträger galten als intellektuell) konnte Menschen zu Opfer machen. Da es den „Roten Khmer“ an Munition fehlte, töteten sie vor allem mit Äxten, Hacken oder Stangen. Kinder und Frauen wurden gegen Bäume geschlagen oder ihre Kehlen an der scharfkantigen Rinde von Bäumen durchgeschnitten. Noch heute sehen wir Kleiderreste und Knochenteile, die durch den Regen an die Oberfläche gespült werden. Absolut grotesk, ist die errichtete turmähnliche Gedächtnis-Stupa, die unzählige Schädel und größere Skelettteile enthält. Zwar haben wir bereits über die Gräueltaten der „Roten Khmer-Zeit“ gelesen, trotzdem ist dieser Ort schrecklich zu erleben. Schlimmer wird es anschließend im ehemaligen Gefängnis „Tuol Sleng (S 21)“, in dem vermutlich ein großer Teil der Opfer eingesperrt und bis zu ihrem Geständnis gefoltert wurde. In etlichen Räumen sehen wir Blutreste auf dem Boden. Hier sieht es aus, als wurde das Gefängnis soeben erst verlassen. Auch die Folterinstrumente sind noch vorhanden. Nur vier Menschen haben „S21“ überlebt. Durch die Akribie und Dokumentationswut der damaligen Verantwortlichen, wird ein schrecklich klares Bild der Zustände im Gefängnis gezeichnet. Diese Zeugnisse können niemanden kalt lassen.

 

Koh Rong | Etwas Erholung

Nach den eher betrüblichen Tagen in Phnom Penh besuchen wir die zweitgrößte Insel Kambodschas, Koh Rong. Mit dem Minibus fahren wir in das östlich gelegene Sihanoukville und setzen von dort aus mit dem Boot auf die Insel über. Zwar haben wir etwas Pech und es regnet den ersten Tag, dann aber klart es auf und wir können einen traumhaften Strand und viel Ruhe genießen. Nach nur zwei Nächten geht es allerdings bereits weiter.

 

Kampot und Kep | Da, wo der Pfeffer wächst

Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, trotzdem wollen wir einen Zwischenstopp in Kampot und Kep einlegen. Kampot ist für seinen Pfeffer berühmt und auch die Stadt als solche hat einen gewissen kolonialen Charme, der viele Touristen anlockt. Kep gilt als „Krabbenstadt“, in der es allerdings außer Krabbe essen nicht viel zu tun gibt. Wir sind etwas ausgepowert und wollen nicht allein auf Entdeckungstour gehen und so buchen wir eine „Tuk-Tuk-Tour“ mit Reiseführer. Bei dieser Tour fahren wir nicht nur durch die wunderschöne Landschaft Kambodschas und besuchen eine Pfefferplantage, wir kommen außerdem an dem sog. „Secret Lake“ („Geheimer See“) vorbei und lernen einmal mehr Schlimmes über die „Roten Khmer“. Dieser See hat seinen Namen erhalten, weil er von Hand ausgehoben wurde. Die „Roten Khmer“ zwangen die Bevölkerung dazu und „begruben“ jeden in dem See, der bei dieser Aufgabe starb. Ein großes Geheimnis, das eigentlich keines ist. Die traurige Geschichte Kambodschas scheint überall präsent zu sein und vor unserem innerlichen Auge sehen wir diese armen Menschen leiden, als wäre es heute. Das trübt die Stimmung und auch die schöne Landschaft und die Krabben aus Kep können darüber wenig hinweghelfen.

 

Siem Reap | Endlich Erfreuliches

Endlich, endlich machen wir uns auf zu dem Highlight unserer Reise. Wir fahren nach Siem Reap, von wo aus wir Angkor, die alte Hauptstadt des Khmer-Reiches, besuchen wollen. Es wird vermutet, dass im Großraum von Angkor bis zu 1 Mio. Menschen gelebt haben. Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 km² wurden vom 9. bis zum 15. Jahrhundert unzählige große wie kleine Tempel errichtet. Am berühmtesten ist wohl „Angkor Wat“, die größte Tempelanlage der Welt. Ein Tag ist bei weitem nicht genug, um die ganze Stadt zu überblicken und so kaufen wir einen 3-Tages-Pass und machen uns auf eine ausführliche Entdeckungstour. Am ersten Tag buchen wir ein Tuk-Tuk, mit dem wir die weiter außerhalb gelegenen Tempel erkunden. Von der Artenvielfalt der Tempel sind wir sehr beeindruckt. Bei manchen Tempelruinen sind die Reliefs erstaunlich gut erhalten, andere Tempel befinden sich inmitten von Seen, wieder andere scheinen von der Natur fast komplett verschlungen zu sein. Am zweiten Tag erkunden wir mit dem Fahrrad das Zentrum Angkors mit seinen Haupttempeln. „Angkor Wat“, das komplett restauriert ist, sticht dabei besonders heraus. Auch wenn sich Scharen an Touristen durch die Tore drücken, hat diese Tempelanlage an Charme nicht eingebüßt. Der Blick von ganz oben auf die Umgebung, wird für immer zu den besonderen Momenten in unserem Leben gehören. Fast ebenso beeindruckend ist der Tempel „Bayon“ mit seinen unzähligen Gesichtern, als auch „Ta Prohm“, dessen vom Dschungel überwucherten Ruinen als Drehort für den Film „Tomb Raider“ dienten. Den dritten Tag nutzen wir schließlich, um die schönsten Tempel noch einmal auf uns wirken zu lassen. Immer noch entdecken wir Neues, finden Teile der alten Stadtmauer, auf der wir mit dem Fahrrad entlangfahren oder kleine, kaum besuchte Tempel mitten im Dschungel. Angkor hat uns nicht enttäuscht. Wenn man vorgefertigte Pfade verlässt oder etwas Glück hat, kann man den Touristenmassen entkommen und ganz stille Ecken entdecken. Jede Tempelruine hat dabei etwas Individuelles und wir sind froh, dass wir uns dafür so viel Zeit nehmen konnten.

Bangkok | Abschied von Südostasien

Nach Siem Reap begeben wir uns auf die letzte Busfahrt, diesmal nach Thailand. Bangkok, das „Herzen Südostasiens“ gehörte im Jahr 2016 zu den am meisten besuchten Städten der Welt und das merkt man. Die Straßen sind gefüllt mit Touristen, was die Thais nicht zu stören scheint. Hier besuchen wir ein letztes Mal buddhistische Tempel,  den Königspalast, machen eine Bootsfahrt und erledigen gewisse Shoppingverpflichtungen. Es heißt „Abschied nehmen“ vom quirligen und so abwechslungsreichen Südostasien. Fünf Monate sind vorbei und nach einer kurzen Stippvisite in Deutschland, steht der zweite Teil unserer Reise an. Es geht nach Südamerika, zu den Inkas nach Peru.


Ein Gedanke zu “9. Kapitel: Kambodscha

  1. Die Bilder aus Ankor Wat sind genial. Ich habe in den letzten Monaten viel übee Südostasien gelernt und gehe jetzt anders beim Vietnamesen essen

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