10. Kapitel: Peru

|24.09. – 04.11.2017|

Auf den Spuren der Inkas

Peru zu besuchen, bedeutet nicht ein Land zu bereisen, sondern gleich drei. Hier sehen wir die windigen Küstenregionen rund um Lima, fliegen in den Regenwald von Iquitos und unternehmen Wanderungen in den Hochgebirgen der Anden. Peru ist abwechslungsreich und fordert uns in vielerlei Hinsicht heraus. Das Land begeistert mit wunderschönen Landschaften, einer geheimnisvollen Geschichte und geduldigen Menschen, die uns anlächeln, wenn wir versuchen Spanisch zu sprechen.

Lima | Kulinarische Eindrücke

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Deutschland und ein paar Tagen Urlaub in Madrid, landen wir Lima. Die Hauptstadt Perus ist in dichten, weißen Nebel gehüllt und zeigt sich von ihrer kalten Seite. In Südamerika bricht erst langsam der Frühling an und wir sind geschockt von der Kälte. Dick eingepackt laufen wir durch Miraflores, dem sichersten und wohl am besten entwickelten Stadtteil Limas. Die Peruaner lieben Miraflores für seine Modernität und Fortschrittlichkeit, wir jedoch sind von den unpersönlichen Glastürmen weniger begeistert. Besser gefällt uns Barranco, das Künstlerviertel sowie die historische Altstadt Limas. An dem kolonialen Plaza St. Martin und am Plaza Mayor essen wir Empanadas und die für Südamerika typischen Mittagsmenus. Diese bestehen zumeist aus einer Suppe bzw. Salat als Vorspeise und einer umfangreichen Hauptspeise mit Fisch oder Fleisch, Kartoffeln und Reis. Gemüse scheint nicht sehr en vogue zu sein, dafür brauchen die Peruaner sehr viel Kohlenhydrate. Ein weiteres typisches Gericht ist Ceviche, roher Fisch mit Zwiebeln und Limetten. Außerdem lieben die Leute hier Süßes. Überall sehen wir leckere Tortengeschäfte und versuchen die für Peru typische Inka Kola, ein schlimmes Zuckergetränk. Besser ist hingegen „Pisco Sour“, ein Cocktail aus Traubenschnaps – das Nationalgetränk, das es an jeder Ecke zu trinken gibt. Nach ein paar Tagen im kalten Lima, haben wir uns eine ungefähre Route durch Peru überlegt und entscheiden uns zuerst nach Huaraz, zu den nördlichen Anden, zu fahren.

Huaraz | In ungeahnten Höhen

Mit dem Bus geht es auf über 3.000 Meter Höhe. Die Fahrt nach Huaraz ist einfach unbeschreiblich. Wir sehen die Küste, dann Wüste und karge Landschaften. Als wir schließlich die Ausläufer der Anden erreichen, sind wir schlichtweg beeindruckt. Unvergesslich, wie die Sonne über den Bergen untergeht, während unser Bus über die Serpentinen mit sportlichen 30 km/h gleitet und wir den Druck in unseren Ohren spüren. Noch nie haben wir uns in solchen Höhen bewegt und müssen uns daran erst einmal gewöhnen. In Huaraz angekommen, sind wir überwältigt vom Flair der Stadt – alles ist sehr authentisch. Die sog. Cholitas (indigene Frauen) laufen in ihren bunten Trachten durch die Gegend. Diese bestehen aus unzähligen Röcken, einem riesigen Tragetuch und einem Zylinderhut. Zwischen Papas (Kartoffeln), Pan (Brot) und Queso (Käse) liegen die Kinder der Cholitas, daneben kläffen die Straßenhunde. Mit staunenden Augen laufen wir durch die Straßen. In den nächsten Tagen unternehmen wir verschiedene Wanderungen um die umliegenden „Cordillera Blanca“ zu erkunden. Dabei sehen wir nicht nur traumhafte Berglandschaften, türkisfarbene Lagunen oder die weiße Bergkuppe, die von den Paramount Filmstudios als Logo verwendet wird, sondern auch einen Gletscher auf über 5.000 Meter Höhe, den es bald nicht mehr geben wird. In nur fünf Jahren wird der Gletscher „Pastoruri“ durch die Folgen der globalen Erderwärmung weggeschmolzen sein. Ein Schild weist darauf hin, wie groß er einst war und wie viel Eis bereits verschwunden ist. Schlimm, wer da noch den Klimawandel leugnet! Nach diesen erlebnisreichen Tagen in den Anden verlassen wir Huaraz. Es geht zurück nach Lima, wo wir einen Flieger Richtung Regenwald besteigen.

Iquitos | Im Amazonasgebiet

Wir landen in Iquitos, das inmitten des Amazonas-Regenwalds liegt und nur mit dem Flugzeug oder mit dem Boot erreicht werden kann. Subtropisches Klima mit satten 35°C schlägt uns entgegen. Auf den Straßen wird gekocht und es sind Tuk-Tuks unterwegs, die wir eigentlich nur aus Asien kennen. Das Leben spielt sich draußen ab. Auch so kann Peru sein! Von Iquitos aus kann man das Amazonasgebiet in Tagestouren erkunden. Alternativ ist es möglich, eine Lodge im Dschungel zu buchen. Wir entscheiden uns für diese Variante und finden nach kurzer Suche das Passende. Unsere Lodge ist ca. 1,5 Stunden Bootsfahrt entfernt und liegt direkt am Amazonas. In den kommenden Tagen unternehmen wir Wanderungen und Ausflüge mit dem Motorboot. Dabei sehen wir jahrhundertealte Bäume, pinke Flussdelfine, Piranhas, Spinnen, Schlangen und den sog. „Schrecklichen Pfeilgiftfrosch“, der allerdings winzig ist. Außerdem steht der „Besuch“ einer Anakonda auf dem Programm. Diese hatte sich im Netz eines Fischers verfangen, der sie sich nun hält um sie Touristen vorzuführen. Sie ist fast sechs Meter lang und wiegt ca. 80 kg. Beim Schlängeln über das Gras, verursacht sie ein solch lautes Rascheln, dass uns leicht unwohl ist. Sie wird regelmäßig mit Hühnern gefüttert, sodass wir uns in ihrer Nähe relativ sicher fühlen. Glücklich darüber, einmal im Leben das Amazonasgebiet besucht zu haben, fliegen wir zurück nach Lima. Nun geht es in den Süden, auf den bekannten „Gringo-Trail“.

Paracas | Zwischen Pinguinen und Seelöwen

Paracas ist ein kleines verschlafenes Örtchen, das wirklich nicht viel zu bieten hat. Hier isst man Ceviche, trinkt Bier und schüttelt den Kopf über die fußballbegeisterten Peruaner, die versuchen die WM-Qualifikation zu erreichen. Der Grund unseres Besuchs ist aber weniger Paracas selbst, als die „Islas Ballestas“. Diese schöne Inselgruppe beherbergt Pinguine, Seelöwen und diverse Vögel. Um sie zu besichtigen, machen wir eine Bootstour und staunen über die vielen Tiere.  Dann geht es auch schon weiter zur nächsten Station.

Ica und Huacachina | In den Dünen unterwegs

Mehr durch Zufall als geplant landen wir im nächsten Nest. In Ica, wo wir übernachten, gibt es ebenfalls nicht viel zu holen. Dafür ist das wenige Kilometer entfernte Huacachina bei den Touristen sehr beliebt. Dieser winzige Ort mit ca. 100 Einwohnern liegt in einer Oase und ist von meterhohen Dünen umgeben. Wir vertreiben uns die Zeit mit Dünen-Buggy-Fahren und Sandboarding, die „Wüstenvariante“ des Snowboardings. Am Abend besteigen wir einen Nachtbus nach Cusco.

Cusco und der Machu Picchu| Nabel der Welt

Endlich erreichen wir Cusco – Nabel der Welt, Sprungbrett zum Machu Picchu und der Touristenhotspot Perus. Cusco, das auf ca. 3.400 m Höhe liegt und in Form eines Pumas gebaut wurde, war die Hauptstadt des alten Inkareiches. Hier findet man noch heute sehr gut erhaltene Inkaruinen, aber auch koloniale Kirchen aus den Zeiten der Spanier. Da es mitten im „Heiligen Tal der Inka“ liegt, ist es ein idealer Ausgangspunkt um weitere für die Inkas wichtige Orte z. B. Ollantaytambo oder Pisac zu besuchen. Als wir in der Stadt am Morgen angekommen, ist es allerdings sehr kalt und regnet in Strömen. In den nächsten Tagen erkunden wir trotz schlechtem Wetter die Stadt und verbringen viel Zeit damit ein gutes Reisebüro zu finden. Wir wollen einen Inkatrail, den berühmten „Salkantay Trek“ zum Machu Picchu wandern, für den man fünf Tage und vier Nächte unterwegs ist. Nach langer Suche werden wir fündig und buchen eine Tour. Die nächsten Tage gehören definitiv zu den Highlights unserer Peru-Reise – wir wandern mehr als 80 km, übernachten in einem Zelt auf ca. 3.900 m Höhe unter sternenklarem Himmel, erklimmen den höchsten Punkt von 4.630 m Höhe mit Blick auf den Berg Salkantay. Wir sehen karge Landschaften mit Schnee, grüne Berge, rote Felsen, Regenwald und Wasserfälle. Wir laufen bergauf, bergab, durch Dickicht, auf Straßen, unzählige Treppen und viele Kilometer auf einer Eisenbahnstrecke, die noch in Betrieb ist. Endlich erreichen wir am fünften Tag, gefühlte 5 kg leichter und stolz wie Bolle, den magischen Machu Picchu. Die Mühe hat sich gelohnt! Die wohl bedeutsamste Inkastätte der Welt liegt auf einem Bergrücken zwischen zwei Gipfeln und bietet einen spektakulären Blick auf die Umgebung. Im 15. Jahrhundert haben hier schätzungsweise 800 bis 1.000 Inkas der Eliteschicht gelebt. Warum sie Machu Picchu, bauten und später aufgaben, ist bis heute nicht eindeutig erklärt. Großes Glück war es jedoch, dass die Inkastadt von den Spaniern nicht entdeckt und zerstört wurde. Die Ruinen sind so gut erhalten, dass man sich das Leben seiner Bewohner wahrhaftig vorstellen kann. Wir sehen die typischen Inka-Terassen, die vor allem für den Anbau von Gemüse genutzt wurden, ausgeklügelte Kanalsysteme, raffiniert konstruierte Tempel und einfachere Behausungen. Außerdem bekommen wir ein paar Lamas zu Gesicht. Wir versuchen diesen Ort so lange wie möglich auf uns wirken zu lassen, merken allerdings die Erschöpfung der letzten Tage deutlich. Auf der wirklich atemberaubend schönen Zugfahrt zurück, die am Urubamba-Fluss entlang durch traumhafte Schluchten führt, fallen uns fast die Augen zu. Spät am Abend sind wir zurück in Cusco und landen todmüde im Bett. Was für ein Abenteuer!

Die nächsten Tage lassen wir es zunächst ruhig angehen. Ausschlafen, viel essen und Süßigkeiten futtern. Wir fahren ganz entspannt zu weiteren Orten im „Heiligen Tal“ und sehen Pisac und Moray, dessen kreisförmige Inka-Terassen wirklich beeindruckend sind. Auch die Salzminen von Maras, wo das Salzwasser aus den Bergen auf eine Vielzahl von Becken geleitet und dort getrocknet wird, schauen wir uns an.

Dann müssen ein letztes Mal die Kräfte mobilisiert werden, denn wir wollen den „Rainbow Mountain“ (Regenbogen Berg) und das „Red Valley“ (Rotes Tal) erkunden. 3.30 Uhr werden wir abgeholt und drei Stunden mit dem Bus zum Startpunkt für die Besteigung gebracht. Der Aussichtspunkt liegt auf 5.200 m Höhe, die 7 km bis dahin sind eine schiere Qual. Aber wieder lohnen sich die Strapazen: Oben angekommen, sehen wir deutlich die sieben verschiedenen Farben, die der Berg durch die unterschiedlichen Mineralien bekommen hat. Das Wetter dazu ist perfekt! Im Anschluss laufen wir durch das „Red Valley“. Die Landschaft ist einfach unglaublich! Rote Berge, die sich zunehmend mit grünen Tälern mischen. Und das auf einer Höhe, bei der uns konstant die Pumpe geht. Als es wieder bergab geht, landen wir schließlich in einem Tal voller Alpakas, wahrscheinlich um die 150-200 Tiere. Ein unbeschreiblich süßer Abgang, den wir uns besser nicht hätten vorstellen können.

Arequipa | Weiße Stadt und tiefes Tal

Eine Nachtbusfahrt später erreichen wir die schöne Stadt Arequipa. Sie wird „weiße Stadt“ genannt, da kolonialen Bauwerke aus weißem Vulkanstein das Zentrum prägen. Arequipa sieht sehr spanisch aus, es gibt nette Läden und Restaurants und die Vulkanberge im Hintergrund machen diese Stadt wirklich zu etwas Besonderem. Vom ersten Moment an, fühlen wir uns hier wohl. Wir unternehmen eine kleine Stadtrundfahrt in die Umgebung, schlendern durch die Straßen und lassen es uns gut gehen. Dann treten wir eine Wanderung in das Colca-Tal für drei Tage und zwei Nächte an. Unser Ziel ist der Colca-Canyon, der mit bis zu 4.200 Meter Tiefe zu einem der tiefsten Canyons der Welt gehört. Auf der zumeist entspannten Wanderung durch das landschaftlich reizvolle Gebiet, übernachten wir in einfachen Unterkünften und haben sogar Zeit einige Stunden in der Sonne zu entspannen. Hier sehen wir die in Peru als heilig geltenden Kondore. Sie fliegen so nah über unsere Köpfe, dass wir ihre gewaltige Statur erkennen können. Von Arequipa geht es weiter zu unserer letzten Station in Peru, dem Titicacasee.

Puno und der Titicacasee | Der höchste See der Welt

Puno, das auf der peruanischen Seite des Titicacasees liegt, ist wirklich keine tolle Stadt. Es gibt den in Peru typischen Plaza de Armas (Hauptplatz) und eine kleine Einkaufsmeile. Aber wir sind ja nicht hier für das Örtchen, sondern für den berühmten Titicacasee. Er ist der größte See Südamerikas und das am höchsten gelegene schiffbare Gewässer der Welt. Bei einer Tour erkunden wir zuerst die Inselgruppe „Uros“. Dazu zählen mehrere kleinere Inseln, die von ihren indigenen Einwohnern, den Uros, aus Schilf gebaut und ca. alle 50 Jahre komplett erneuert werden. Boden, Hütten, Bänke usw. sind ausschließlich aus Schilf gefertigt. Obwohl das an sich einzigartig und beeindruckend ist, sind die Inseln sehr touristisch und gut vermarktet, sodass wir schnell genervt sind. Der nächste Stopp ist dafür etwas authentischer. Das Boot bringt uns zur Insel „Taquile“, die uns an Griechenland erinnert und ein entspanntes Flair hat. Ihre Einwohner sind sehr traditionell – geheiratet wird nur untereinander, verschiedene Wollmützen kennzeichnen, wer schon vergeben oder noch zu haben ist. Sehr praktisch! Mit einem saftigen Alpaka-Steak und Ceviche verabschieden wir uns am Abend gebührend von Peru. Nach insgesamt sechs Wochen steht das nächste Land auf dem Programm. Wir fahren weiter nach Bolivien.


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