11. Kapitel: Bolivien

|04.11. – 24.11.2017|

Der Traum eines jeden Geologen

Bolivien wird von der Mehrzahl der Reisenden vernachlässigt. Ein kurzer Halt in La Paz und eine Tour durch die Salzwüste von Uyuni scheint das gängige Programm zu sein. Dabei gibt es in Bolivien so viel mehr – außergewöhnliche Nationalparks, tolle Landschaften und faszinierende Alltagsgeschichten, die man so noch nicht gehört hat. Wir machen uns auf eine Reise durch ein Land, das zu den ärmsten Ländern Südamerikas zählt und nicht nur politisch einiges an Sprengstoff zu bieten hat.

Copacabana und der Titicacasee | Entspannung auf der Sonnenseite

Unsere erste Station befindet sich auf der anderen Seite des Titicacasees. Wir lassen uns für ein paar Tage in Copacabana nieder, einem kleinen Städtchen, das angeblich namensgebend für das bekannte brasilianische Strandviertel war. Hier gibt es einen schönen Strand, eine architektonisch interessante Kathedrale und einige Geschäfte. Dieser Ort ist perfekt, um sich ein paar Tage auszuruhen, kleinere Wanderungen zu unternehmen und einfach auszuspannen. Von „Copa“ unternehmen wir einen Tagesausflug zur „Isla del Sol“ (Sonneninsel), die anders als erwartet zwar touristisch erschlossen, aber wirklich idyllisch ist. Hier können wir einen fantastischen Blick auf den See und die Landschaft genießen. Es sind kaum Menschen unterwegs und nur einige Esel kreuzen ab und zu unseren Weg. Nach diesen ruhigen Tagen, geht es weiter nach La Paz.

La Paz | Alltag in Bolivien

Der erste Eindruck von La Paz ist krass. Die auf mehr als 3.500 Meter Höhe gelegene Stadt, präsentiert sich als endloses Häusermeer mit schlimmen Verkehr. Wenigstens aber scheint die Sonne und es ist mit ca. 18°C gar nicht mal so kalt wie erwartet. In den nächsten Tagen besuchen wir u. a. den „Hexenmarkt“ mit allerlei skurrilem Krimskrams für jegliche Wehwehchen, den St. Francisco Plaza mit seiner Kathedrale, die indigene und spanische Bauweisen vereint und den Plaza de Murillo, wo sich der Regierungssitz befindet. Bei einer Walkingtour erfahren wir mehr über die Stadt, vor allem über das St. Pedro Gefängnis. Diese Haftanstalt wird durch ihre Insassen selbst verwaltet und funktioniert wie eine eigene kleine Stadt mit Restaurants, Läden und medizinischen Einrichtungen. Die Gefangenen haben zunächst eine Art Eintrittsgeld zu entrichten, um dort sein zu „dürfen“. Einmal drin, müssen sie ihre eigene Zelle erwerben. Reiche Insassen können somit ziemlich luxuriös wohnen. Die Ärmeren müssen ihren Lebensunterhalt hingegen anderweitig bestreiten z. B. in den Restaurants auf dem Gelände oder mit der Produktion von Kokain im Gefängnis. Diese Geschichten sind unglaublich und gleichzeitig scheinbar so normal, dass es noch bis vor einigen Jahren Gefängnistouren für Touristen gab. Das restliche La Paz erkunden wir mithilfe der „Teleférico“ (Seilbahnen), die hier als gängiges Transportmittel genutzt werden und uns eine schöne Sicht von oben geben.

Cochabamba und der Torotoro Nationalpark | Auf den Spuren der Dinos

Mit dem Bus geht es gen Südosten, nach Cochabamba. Diese Stadt ist der Ausgangspunkt um den Torotoro Nationalpark zu besuchen. Außerdem kann man hier leckere Salteñas, die bolivianische Version von Empanadas, snacken und eine ganz normale Stadt ohne viele Touristen genießen. Zwei Tage verweilen wir, um dann zum Nationalpark aufzubrechen. Die Fahrt ist abenteuerlich. Zunächst müssen wir darauf warten, dass sich das „Collectivo“, ein heruntergekommener Minibus, mit anderen Passagieren füllt. Sind mindestens acht Personen an Bord, kann es losgehen. Die Fahrt bis zum Stadtrand ist noch erträglich, dann beginnt eine nicht enden wollende Pflasterstraße, auf der wir knapp fünf Stunden durchgerüttelt werden. Endlich angekommen, besteht das kleine Örtchen Torotoro nur aus wenigen staubigen Wegen – keine Geldautomaten, kein WiFi, dafür riesige Dinosaurierfußabdrücke, die sich über Jahrmillionen verfestigt haben. Die nächsten drei Tage unternehmen wir täglich Touren in den Nationalpark und sehen nicht nur weitere erstaunliche Dinospuren, sondern auch eine Landschaft, die in der Welt wohl einzigartig ist. Durch tektonische Plattenbewegungen wurden über Jahrmillionen die Sedimentschichten zu Bergen „gebogen“ und das Tal von Torotoro ist entstanden. Im Seitenprofil sehen wir die unterschiedlichen Gesteinsschichten und Mineralien, die über 250 Millionen Jahre alt sind. Dazwischen entdecken wir unzählige Fossilien, vor allem in Form von Muscheln und Schnecken. Kein Wunder, dass dieser Nationalpark als Traum eines jeden Geologen gilt! Wir kosten unsere Zeit hier richtig aus, sehen Wasserfälle, Canyons, krasse Felsformationen und Höhlen. Nach vier Tagen geht es dann mit dem klapprigen Collectivo zurück nach Cochabamba und von dort aus weiter nach Sucre.

Sucre | Zuckersüße Zwischenstation

Eine Nachtbusfahrt später landen wir in Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens (der Regierungssitz befindet sich in La Paz). Hier ist es angenehm entspannt. Zuerst besuchen wir einen außerhalb gelegenen „Dinosaurier-Park“, in dem es weitere Fußabdrücke zu bestaunen gibt. Dann schlendern wir durch die Stadt mit ihren schönen kolonialen Plätzen und den unzähligen Chocolaterias. Wir besuchen den hiesigen Friedhof, der als Touristenattraktion gilt und die „Casa de Libertad“ (Haus der Freiheit), in dem Boliviens Unabhängigkeit beschlossen wurde. Dort lernen wir mehr über den venezolanischen Revolutionär Bolivar, nach dem Bolivien benannt wurde und seinem General Sucre. Bolivien war das erste Land Südamerikas, das seine Unabhängigkeit deklarierte, aber am längsten brauchte, sie tatsächlich zu erlangen. Danach hat sich das Land politisch oft ins Aus manövriert und turbulente Zeiten erlebt. Noch heute scheint es nicht zur Ruhe zu kommen. Trotzdem gefällt es uns hier gut, Sucre ist toll und es fällt uns (nicht zuletzt wegen der Schokolade) ein wenig schwer weiterzureisen.

Potosí | Einmal Dynamit, bitte

Unsere nächste Station ist das nicht weit entfernte Potosí. Eine Minenstadt, die mit ihrer Lage auf ca. 4.000 Meter Höhe als höchste Stadt der Welt gilt. Da bei unserer Ankunft gerade Sonntag ist, scheint es wie ausgestorben zu sein. Zwar gibt es einige hübsche Kirchen und ein paar nette Gassen, aber die Leute sind eher abweisend und folglich fällt es uns schwer mit Potosí warm zu werden. Am nächsten Tag unternehmen wir eine Minentour, bei der zuerst der „Minenmarkt“ besucht wird um für die Minenarbeiter einige Kleinigkeiten einzukaufen. Dazu zählen nicht nur Limonade oder Cocablätter, sondern auch Dynamit, das hier freiverkäuflich ist. In der Silbermine angekommen, wird uns mehr über die Bergarbeiter erzählt. Sie sind nicht angestellt, sondern arbeiten selbständig. Acht bis zehn Stunden-Schichten sind normal, vor allem die Jüngeren bleiben häufig länger. Da es unter Tage keine sanitären Anlagen gibt, wird während der Arbeitszeit nicht gegessen. Um den Hunger zu übertünchen und wach zu bleiben, kauen die Arbeiter daher unermüdlich Cocablätter. Nach ca. zwei Stunden wird die Enge und die Dunkelheit des Stollens immer beklemmender und wir sind froh, als wir die Mine verlassen können.

Uyuni | Unglaubliche Landschaften

Den Abschluss unserer Reise bildet eine mehrtägige Tour durch die größte Salzwüste der Welt – die Salar de Uyuni. Mit einem Jeep für sechs Personen plus Fahrer geht es durch eine faszinierende Landschaft. Etwas Vergleichbares haben wir in unserem Leben noch nicht gesehen! Der Horizont ist endlos, der Boden besteht aus einer kachelförmigen Salzkruste, die unter unseren Schuhsohlen knirscht. Wir schießen lustige Perspektivfotos und nehmen uns viel Zeit, um die Landschaft zu genießen. Am ersten Abend sehen wir einen unglaublichen Sonnenuntergang. Später übernachten wir in einem Hotel, das ausschließlich aus Salz besteht. Nicht nur die Wände, auch der Boden und sogar unser Bett besteht aus Salz. Eine tolle Bleibe – fragt sich nur, wie sie hier saubermachen. Am nächsten Tag geht es dann zeitig weiter. Wir entfernen uns von der Salzwüste und finden eine ganz andere Umgebung vor. Mit dem Jeep düsen wir durch eine rotbraune Vulkanlandschaft und sehen wunderschöne Lagunen mit Pelikanen, vom Wind geformte Steinskulpturen und zischende Geysire. Am dritten Tag erreichen wir schließlich die chilenische Grenze, wo ein neues Abenteuer für uns beginnt.

 


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