12. Kapitel: Chile

|24.11. – 23.12.2017||02.01.2018 – 06.01.2018|

Im längsten Land der Welt

Chile, das längste Land der Welt, hat uns für fünf Wochen in seinen Bann gezogen. In dieser Zeit sehen wir die trockenste Wüste der Welt, Strände mit eiskaltem Wasser und Weinanbaugebiete, in denen ein ganz eigenes Mikroklima herrscht. Außerdem unternehmen wir einen Roadtrip durch das Seengebiet, in dem es viel zu häufig regnet und besuchen die Träumerinsel „Chiloe“. Am Ende erreichen wir Patagonien und schließlich den Nationalpark „Torres del Paine“. Hier erleben wir eine Landschaft, die vielleicht zu den schönsten der Welt gehört.

San Pedro de Atacama | Wüstenstaub und Extrembedingungen

Die nächsten Tage erkunden wir die spektakuläre Landschaft der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt. Wir fahren in das „Valle de la Luna“ (Mondtal), das, wie der Name bereits vermuten lässt, wie eine Mondlandschaft aussieht. Die Berge sind mit weißem Salz gepudert, das durch den Regen an die Oberfläche gespült wurde und der Landschaft etwas Surreales verleiht. Der Sonnenuntergang hier ist einzigartig! Außerdem schauen wir uns die „Salar de Tara“, eine Art Vulkanlandschaft an und unternehmen auf eigene Faust eine Fahrradtour, bei der wir unseren Weg durch einen verwinkelten Canyon suchen. In der Atacama-Wüste ist es extrem trocken, heiß und windig. Zusätzlich wird durch die Höhen von über 4.500 m jede kleinste Bewegung zu einer Sporteinheit. Nach über zwei Monaten auf Höhenmetern von über 2.500 m merken wir – die letzten Wochen waren extrem, es ist Zeit für uns wieder runterzukommen.

Caldera | Endlich wieder am Meer

Von San Pedro de Atacama aus, begeben wir uns auf unsere erste Nachtbusfahrt von vielen, diesmal in Richtung Meer. Am frühen Morgen erreichen wir Caldera, einen kleinen eher unspektakulären Ort, von dem es nicht weit zum Nationalpark „Pan de Azúcar“ und zum „Bahía Inglesa“, einem schönen Strand ist. Der Nationalpark liegt direkt am Meer und kann mit einer Vielzahl von Kakteen, Eidechsen und einem fantastischen Ausblick aufwarten. „Bahía Inglesia“ ist zwar auch recht schön anzuschauen, aber so windig und das Wasser so kalt, dass an Baden gehen nicht zu denken ist. Nachdem wir uns einige Tage in Caldera und Umgebung entspannt haben, geht es mit dem Bus weiter Richtung Süden.

La Serena und das Elqui-Tal | Pisco trinken und Sterne gucken

In La Serena, einer kleinen Stadt an der Pazifikküste, steppt nicht gerade der Bär. Also vertreiben wir uns den Tag mit Seafood-Empanadas und Fisch futtern und nehmen ganz schnell einen Bus weiter zum Elqui-Tal. In diesem, nur wenige Kilometer entfernten Tal, herrscht ein Mikroklima. Somit gibt es ideale Bedingungen für den Weinanbau und für Sternebeobachtungen. Wir richten uns im kleinen Örtchen Pisco ein, in dem eine Destillerie des berühmten Traubenschnaps ihre Arbeit verrichtet. Der Pisco schmeckt, die Umgebung ist traumhaft und am Abend beobachten wir durch das Teleskop die Planeten und Sterne. Hier könnte wirklich die Zeit stehen bleiben.

Valparaíso und Santiago de Chile | Zwei Großstädte, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Nach einer ziemlich anstrengenden Busfahrt landen wir in Valparaíso. Die Stadt ist berühmt für ihre bunten Häuser, die an den Berghängen kleben, und ihren Hafen. Wir schauen uns die Streetart an, machen eine Hafenrundfahrt, sehen Seelöwen und lernen bei einer Walking-Tour mehr über die Geschichte und Politik Chiles. Dabei wird am meisten über Pinochet und seine über 25 Jahre dauernde Diktatur gesprochen. Bis heute scheinen die Chilenen eine sehr gespaltene Meinung zu dieser Zeit zu haben.

Von Valparaíso geht es weiter nach Santiago, der Hauptstadt Chiles. Eine perfekte Großstadt, die sehr an Europa erinnert – es gibt schöne Cafés und Restaurants, nette Parks und genügend Plätze zum Verweilen. Dabei hat Santiago eine optimale Größe, sodass es weder überlaufen noch zu weitläufig ist. Bei frühlingshaften Temperaturen von ca. 30°C erkunden wir die Gegend. Besonders gut gefällt uns der Park „Santa Lucia“ mit tollem Blick über die Stadt und kleinen, verwunschenen Elementen, die an eine Burg erinnern. Aber auch im Ausgehviertel „Bella Vista“ kann man es sich gut gehen lassen.

Pucón | Wettertechnischer Reinfall

Unsere nächste Station ist Pucón, das als Basisstation für die Besteigung des Vulkan Villarrica gilt. Mit Eispickel und Schneekleidung soll dieser Berg bezwungen werden. Leider spielt diesmal das Wetter nicht mit. Es regnet und stürmt, sodass eine Besteigung in den nächsten Tagen nicht möglich ist. Alternativ vertreiben wir uns die Zeit im Thermalbad und planen unsere weitere Reise. Wir wollen einen Roadtrip durch das Seengebiet bis nach Chiloé unternehmen.

Seengebiet und Chiloé | Roadtrip und Abenteuer

Für acht Tage mieten wir uns einen kleinen Flitzer. Der Roadtrip kann beginnen! Zuerst fahren wir nach Neltume, dass direkt am „Huilo-Huilo-Nationalpark“ liegt. Bei einer Wanderung schauen wir uns zwei schöne Wasserfälle an und freuen uns, dass wir den Park fast für uns alleine haben. Dann geht es tiefer hinein in das Seengebiet. Leider regnet es recht häufig und es ist so nebelig, dass wir einige Highlights z. B. den Vulkan Osorno wortwörtlich nicht sehen können.

Ab Puerto Varas wird es besser und wir begeben uns auf eine Fähre nach Chiloé. Die Isla Grande de Chiloé ist die fünftgrößte Insel des Kontinents und eine Welt für sich. Auffällig sind die hier typischen Holzkirchen und die „palafitos“ (Pfahlbauten entlang des Ufers), die es vor allem in der Hauptstadt Castro zu sehen gibt. Zumeist ist Chiloe wohl in Nebel gehüllt, was der Insel etwas Träumerisches verleiht. Während wir da sind, scheint jedoch die Sonne, sodass wir an der schönen Küste Chiloés entlangfahren können und zunächst einen Ausflug zu einer Pinguinkolonie unternehmen. Dann geht es über Dalcahue nach Castro. Hier ist es einfach idyllisch! An der Wasserfront trinken wir Kaffee, schauen uns mit dem Kajak die „palafitos“ an und essen am Abend einen typischen „curanto“ (Muschel-Fleisch-Eintopf mit Kartoffeln). Zu einem weiteren Highlight in Chiloé gehört der hiesige Nationalpark. Dieser ist gut entwickelt und sehr abwechslungsreich. Innerhalb weniger Stunden wandern wir durch Regenwald, Dünen mit gelben und bunten Blumen und erreichen schließlich eine nebelige Küste.

Chiloé ist dann allerdings doch nicht so groß und als wir das Ende der Insel erreicht haben und es nichts mehr zu entdecken gibt, entscheiden wir uns spontan, zurück auf die andere Seite Nordpatagoniens zu düsen. Unser Ziel ist Hornopirén und der dortige Nationalpark. Wir sind den ganzen Tag unterwegs und wechseln dabei nicht nur von Fähre zu Fähre, sondern fahren auch über die berühmt-berüchtigte „Carretera Austral“. Diese Straße verbindet Nord- mit Südpatagonien und wird bereits seit Pinochet-Zeiten gebaut. Sie besteht zu weiten Teilen nur aus Schotterpiste. Das kostet Nerven und Zeit – für 65 km brauchen wir mit unserem kleinen Nissan über 1,5 Stunden. Komplett erschöpft, aber stolz und beeindruckt von der tollen Landschaft kommen wir am Abend an. Am nächsten Tag wandern wir durch einen ziemlich verlassenen Nationalpark und machen uns danach wieder auf den Rückweg nach Puerto Montt. Dort müssen wir den kleinen Flitzer zurückgeben, denn Weihnachten steht vor der Tür.

Puerto Natales | Patagonien – eines der schönste Flecken der Welt

Nachdem wir Weihnachten in Bariloche (Argentinien) verbracht und das argentinische Patagonien erkundet haben, sind wir zurück in Chile. Von Puerto Natales aus, wollen wir den berühmten Nationalpark „Torres del Paine“ besuchen. Seit Wochen treffen wir andere Reisende, die von diesem Park schwärmen. Die Unterkünfte sollen schon lange ausgebucht sein, Besucherzahlen werden begrenzt, nur wer die 8-tägige Wanderung in Form eines „O“ oder zumindest die des „W“ (4-tägige Wanderung) unternehme, mache es richtig usw. Am Ende wollen wir uns nicht verrückt machen und in Puerto Natales unseren eigenen Weg finden, den Park umfassend zu erkunden. Wir entscheiden uns, eine Tageswanderung zu den mehr als 2.000 m hohen „Torres del Paine“ (Türme des blauen Himmels), dem Wahrzeichen des Parks zu unternehmen. Die weiteren Highlights des Parks erkunden wir im Rahmen einer Autotour und gehen dann noch einmal in den Park um dort für eine Nacht zu zelten. Alles klappt, auch ohne Reservierung. Die Landschaft ist traumhaft! Wir sehen karge graue Berge, türkisfarbene Lagunen, Wasserfälle und viele Guanakos (südamerikanische Lamas). Insbesondere das „Valle del Francés“ und die Gegend um das Camp „Paine Grande“ mit Blick auf die „Cuernos del Paine“ gefällt uns richtig gut. Die Wanderwege führen am Wasser entlang, durch Bäche, über Berge. Die Vegetation ändert sich ständig und wir sehen sogar Gletscher und mehrere Schneelawinen. Auch beim Wetter weiß man nie, was einen erwartet. Man sagt, dass man in Patagonien an einem Tag alle vier Jahreszeiten erleben kann. Wir haben Glück und müssen nur gegen den Wind kämpfen. Die Landschaft zeigt sich uns in ihrer vollen Schönheit. Wir sind schlichtweg beeindruckt und müssen eingestehen, dass der ganze Trubel um Patagonien seine Berechtigung hat. Zum Abschluss unseres Patagonien-Trips geht es für uns weiter nach Feuerland und damit zurück nach Argentinien.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s