13. Kapitel: Argentinien, Uruguay, Brasilien

|23.12.2017 – 02.01.2018||07.01.2018 – 06.02.2018|

Die letzten Abenteuer in Südamerika

Die letzten Wochen in Südamerika verbringen wir hauptsächlich im Land mit den guten Steaks und einer unglaublich schönen Natur – Argentinien. Dabei reisen wir durch Patagonien bis zum Ende der Welt und lassen es uns in Buenos Aires richtig gut gehen. Wir unternehmen eine Spritztour in das kleine Uruguay, das, entgegen unserer Erwartungen, mit großen Überraschungen und viel Spaß aufwartet. Und wir sehen nicht nur die größten Wasserfälle der Welt, sondern landen am Ende auch in Rio de Janeiro, der wohl verrücktesten und energiegeladensten Stadt der Welt! Hier bleibt uns einfach der Mund offenstehen, was die lustigen Brasilianer zum Lachen bringt.

Bariloche | Weihnachten, argentinisch angehaucht

Von Chile fahren wir über die Anden nach Bariloche, die „argentinische Schweiz“. Die Fahrt ist traumhaft! Der Grenzübergang liegt inmitten eines Nationalparks, wir sehen Berge und die Ausläufer der berühmten „Siete Lagos“ (Sieben Seen). Die Sonne scheint wie verrückt, sodass die türkisfarbene Seenlandschaft noch schöner aussieht. Bariloche selbst, liegt umgeben von Bergen, in einem Tal am Ufer des Sees Nahuel Huapi, der zu den größten Seen des Landes gehört. Hier gibt es klasse Steakhäuser, eine Vielzahl an Chocolaterien und diverse Busse, die uns ganz bequem durch diese atemberaubende Landschaft fahren. Feliz Navidad – Besser könnte unser Weihnachtsdomizil nicht sein! In den nächsten Tagen futtern wir uns durch die Chocolaterien (Unser Tipp: Schokowaffeln mit Nusscreme in dem Schokoladencafé „Rapa Nui“), essen 450g-Steaks, schauen Weihnachtsfilme und gehen wandern. Besonders gut gefällt uns „Cerro Campanario“, eine Aussichtsplattform, die per Sessellift oder zu Fuß erreicht werden kann. Von hier oben, haben wir eine großartige Rundum-Aussicht auf die Anden, die Seen und die Wälder. Wir sind in Patagonien angekommen!

El Chaltén| Anstrengungen im Wander-Eldorado

Von Bariloche geht es per Bus weiter nach El Chaltén, dem Eldorado fürs Wandern und Bergklettern in Patagonien. Der Ort ist vor allem deshalb so beliebt, da man vom Dorf aus loslaufen kann und keine überzogenen Eintrittspreise zahlen muss. Die Busfahrt sollte eigentlich „nur“ 24 Stunden dauern, jedoch haben wir fünf Stunden Verspätung und kommen ziemlich erschöpft an. Es windet wie verrückt, Sonne und Regen wechseln sich im Minutentakt ab, aber unser Hostel ist sehr gemütlich und wir treffen dort andere „Wanderverrückte“, die uns wertvolle Tipps geben.

Am nächsten Tag geht es gleich los – wir wandern zum Berg „Cerro Torre“. Da wir sehr zeitig unterwegs sind, können wir die Natur fast alleine genießen. Leider ist jedoch das Wetter sehr wechselhaft, sodass wir, am Ende der Wanderung angekommen, den „Cerro Torre“ nicht sehen können. Kälte und Nieselregen lassen uns schließlich umkehren. Zurück im gemütlichen Hostel, kommen auch die anderen vom Wandern zurück. Es herrscht richtige Ferienlagerstimmung – beim Geruch von Schweißfüssen wird gekocht und gequatscht bis spät am Abend. An diesem Abend hecken wir den Plan aus, den berühmten Berg „Fitz Roy“ bereits bei Sonnenaufgang in Augenschein zu nehmen. Mia, unsere neue Freundin begleitet uns, was sehr praktisch ist, da sie den Weg schon kennt und wir im Dunkeln durch die Gegend stapfen müssen. Viel zu früh, sind wir am ausgewählten „Sunrise-Spot“ und warten ungeduldig, bis die Landschaft in orangenes Licht getaucht wird. Es ist klirrend kalt! Danach wandern wir gemütlich durch das Tal bis zum Berg und da es noch so früh am Morgen ist, sind wir allein. Die Landschaft mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund, den grünen Wiesen und kleinen Bächen ist unvergleichlich. Die letzten Kilometer, bei denen es sehr steil über Geröll und Matsch nach oben geht, fordern schließlich all unsere Energie. Dann ist es geschafft – wir stehen am Fuße des Berges und können ein atemberaubend schönes Panorama mit Blick auf den „Fitz Roy“ genießen.

El Calafate | Gletscher-Besuch am Neujahrstag

Nach dieser Anstrengung hätten wir uns eigentlich mindestens einen Tag für Sauna und Massagen einräumen sollen, aber unser Programm ist durch die Feiertage straff getaktet. Mit dem Bus geht es nach El Calafate, wo wir Silvester verbringen und einen etwas anderen Neujahrsparziergang erleben wollen. Am 1. Januar erkunden wir mit einem Boot und von einer Aussichtsplattform aus den Gletscher. Der „Perito Moreno“ ist deshalb so berühmt, da die Gletscherzunge im „Lago Argentino“ endet. Die Eismassen trennen dabei – je nach Ausdehnung – zwei der Seitenarme des Sees voneinander ab. Der abgetrennte Bereich hat dann keinen Abfluss mehr, wodurch sich das Wasser staut. Wird der Druck auf die Gletscherzunge zu groß, bricht diese in sich zusammen. Das passiert wohl alle zwei bis sechs Jahre und kommt erwartungsgemäß bei unserem Besuch nicht vor. Allerdings ist der riesige Gletscher trotzdem sehr beeindruckend. Auf der Aussichtsplattform kommen wir den Eismassen sehr nahe und können sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Wir hören das Knarren des Eises und sehen das Abbrechen von vielen kleineren und größeren Stücken. Nach diesem Abstecher in das argentinische Patagonien, geht es für einige Tage zurück nach Chile und schließlich von dort aus weiter nach Feuerland.

Ushuaia | Feuerland und das Ende Welt

Es gibt Orte, an denen man sich so richtig weit entfernt fühlt. Und obwohl es am „Ende der Welt“ doch WLAN, Steak und Bier gibt, fühlen wir uns hier sehr weit weg von zuhause. Über 14.000 km Luftlinie liegen zwischen uns und Berlin. Trotzdem hält sich unser Heimweh in Grenzen und wir freuen uns hier zu sein. Von Ushuaia aus besuchen wir den Nationalpark „Tierra del Fuego“ und entscheiden uns für einen Wanderweg, der entlang der Küste verläuft. Bereits nach kurzer Zeit sehen wir eine Gruppe Delfine, die sich durchs Pfeifen anlocken lassen und in die Luft springen. Am nächsten Tag geht es dann gemeinsam mit einigen aus dem Hostel zur „Laguna Esmeralda“, einem eigentlich einfachen Wanderziel. Jedoch sind wir dermaßen in unsere Gespräche vertieft, dass wir uns gnadenlos verlaufen. Statt den geplanten 1,5 Stunden brauchen wir über 3 Stunden, um unser Ziel zu erreichen. Dabei müssen wir durch Schlamm, triefendes Moos und Gestrüpp kriechen. Am Ende ist sogar ein Fluss zu durchqueren. Aber die Strapazen haben sich mal wieder gelohnt: Die Lagune strahlt in türkisfarbenen Blau und sieht schlichtweg beeindruckend aus. Außerdem ist der Rückweg nun umso leichter für uns.

Nach diesen letzten Ausflügen in der Gegend um Ushuaia ist Schluss mit Wandern. Unsere Wanderschuhe sind kaputt, unsere Körper ächzen – es reicht! Wir entspannen uns und besteigen schließlich einen Flieger in Richtung Norden. Auch nach 3,5 Stunden Flug befinden wir uns noch in Argentinien, jetzt allerdings in einer Stadt mit all den Annehmlichkeiten, die wir mittlerweile so vermisst haben.

Buenos Aires | Endlich Großstadt!

Die Hauptstadt Argentiniens ist der Knaller! Knapp 40°C, humides Klima, Großstadtflair. Unsere Wandersachen verstauen wir ganz tief im Rucksack und holen endlich wieder kurze Hose und Flipflops raus. Die nächsten Tage snacken wir uns durch die Stadt – essen Steak, Eis und trinken Bier und Wein. Wir wohnen San Telmo, dem wohl ältesten Viertel der Stadt mit schönen Gebäuden, Geschäften und Happy-Hour-Bars. Sogar Tangoshows werden auf den schönen Plazas aufgeführt. Außerdem erkunden wir Recoleta, die eleganteste und teuerste Gegend der Stadt. Hier sehen wir die Überbleibsel der argentinischen Oberschicht, die in palastähnlichen Prunkbauten ihren Reichtum zur Schau gestellt hat. Am Ende landen wir auf dem wohl berühmtesten, da schönsten Friedhof der Welt. Er ist die Ruhestätte zahlreicher prominenter und wohlhabender Einwohner und umfasst zum Teil sehr protzige Mausoleen von ganz unterschiedlicher Architektur. Auch die berühmte Eva Perón („Evita“) liegt hier begraben. Diese Frau wird noch heute verehrt und vergöttert. Als Ehefrau vom damaligen Präsidenten Perón hatte sie sich in den 1940er-Jahren vor allem für die Arbeiterklasse und die Frauen stark gemacht. Ihr plötzlicher Tod erschütterte ganz Argentinien – über 3 Millionen Menschen wohnten der Beerdigung bei, allein acht Menschen starben dabei im Gewühl. Verständlicherweise findet man im „Evita-Museum“ kein Fünkchen Kritik zu ihrer Person.

Aber BA hat noch mehr zu bieten. Wir fahren nach Palermo, dem Hipsterviertel der Stadt und sagen „Willkommen in Berlin“. Es gibt Burgerläden, Designerschuppen und durchgestylte Menschen, außerdem guten Kaffee und raffinierte Cocktails. Danach schauen wir uns noch den Stadtteil La Boca an, der sich allerdings als Touristenfalle herausstellt. Das ehemalige Künstler- und Arbeiterviertel ist überladen mit billigen Souvenirläden, verkleideten Tangotänzern und schlechten Restaurants. Trotzdem gefällt uns BA dermaßen gut, dass wir nach einer kurzen Spritztour durch Uruguay noch einmal zurückkommen wollen.

Uruguay | Ganz anders, als erwartet

Von BA aus nehmen wir eine Fähre, die uns in nur 1,5 Stunden nach Uruguay bringt. Hier herrscht auf einmal Mittelmeer-Flair. Colonia ist eine kleine entspannte Stadt mit Kirche, Cafés und Kopfsteinpflaster. Wir fühlen uns wie im Urlaub! Wir futtern „Chivito“ (eine Art Steaksandwich), Kaffee und Kuchen, erkunden die Altstadt und den Hafen. Am Abend genießen wir bei Sonnenuntergang den Blick auf den „Rio del la Plata“ (Silberfluss), dessen Wasser jedoch nicht im Geringsten silbern (oder klar) ist. Trotzdem gefällt es uns hier richtig gut.

Von Colonia geht es mit dem Bus weiter nach Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Der erste Eindruck ist nicht so gut. Die schöne Altstadt ist relativ klein, dafür gibt es eine lange hässliche Shoppingmeile, deren Geschäfte an sowjetische Nachkriegszeiten erinnern. Aber die Stadt liegt am Strand und das ist letztendlich ein Grund für uns, hier etwas mehr Zeit zu verbringen. In Montevideo mieten wir „Benni“, das kleinste Auto der Welt und freuen uns über die zurückgewonnene Flexibilität. Wir wollen an der Küste entlang bis nach Punta del Diabolo im Südosten fahren. Auf dem Weg dahin, wird das Meer schöner und schöner. Die braune Farbe verschwindet und schon in Piriápolis können wir baden gehen. Dann erreichen wir Punta del Este, das „Miami von Uruguay“ bzw. die Gegend für die Schönen & Reichen. Der Strand ist zugepflastert mit Hochhauskomplexen, dazwischen finden sich noble Clubs. Da Uruguay ohnehin schon sehr teuer ist, gibt es für uns keinen Grund hier zu bleiben. Wir landen stattdessen unbeabsichtigt im „THC Hostel“ ganz in der Nähe und ahnen nichts Schlimmes. Wie sich herausstellt, handelt es sich um ein „Kiffer-Hostel“ der besten Art, denn in Uruguay ist Marihuana legal. Uns wundert nun nicht mehr, dass hier alle so entspannt sind.

In einem Ritt wollen wir von dort aus endlich Punta del Diabolo erreichen. Aber das Wetter spielt nicht mit und wir entscheiden uns stattdessen in Barra de Valizas zu halten. Hier staunen wir nicht schlecht, denn wir sind in einem Hippi-Dorf gelandet. Die Leute begrüßen uns mit dem „Peace-Zeichen“ und lungern auf den Straßen und am Strand mit Bier und Joints. Wir essen Eis im Eisladen „Punto G“ (G-Punkt) und kommen schließlich im Hostel „Dejavue“ unter. Verrückt!

Am nächsten Morgen müssen wir zurück nach Montevideo. Dort legen wir einen Strand-und Entspannungstag ein, lassen uns vier Hosen klauen und fahren schließlich noch einmal in unser geliebtes Buenos Aires.

Iguazú-Wasserfälle | Unvergessliches Naturspektakel

Nachdem wir es uns ein paar Tage in BA haben gut gehen lassen, fliegen wir zu den größten Wasserfällen der Welt. Die Iguazú-Wasserfälle befinden sich auf der argentinisch-brasilianischen Grenze. Sie bestehen aus 20 größeren sowie 255 kleineren Wasserfällen auf einer Ausdehnung von fast drei Kilometern. Einige sind bis zu 82 Meter hoch. Hat man von der brasilianischen Seite einen Panorama-Blick, kann man auf der argentinischen Seite die einzelnen Wasserfälle ganz aus der Nähe erkunden. Wir fangen in Argentinien an und sind begeistert! Die Wasserfälle erinnern auf magische Art und Weise an eine verwunschene Welt, teilweise kommen wir ihnen so nahe, dass wir vom Wasser durchnässt werden.

Am darauffolgenden Tag überqueren wir die Grenze nach Brasilien. Diese Seite der Iguazú-Wasserfälle gefällt uns fast noch besser! Jetzt sehen wir das ganze „Ausmaß“ und die Größe dieses Naturwunders. Zwar ist es drückend heiß und tausende Touristen schieben sich über die Aussichtsplattformen, trotzdem bleibt uns dieses Naturspektakel als einmaliges Erlebnis in Erinnerung. Am Abend setzen wir uns in den Bus nach Curitiba, wo wir Freunde besuchen und dann die Reise nach Rio antreten.

Rio de Janerio | “Wow!“

Jeder, ausnahmslos jeder, schwärmt von Rio de Janerio! Also haben wir für die zweitgrößte Stadt Brasiliens genügend Zeit eingeplant, um auch wirklich alles zu erkunden. Eine Woche vor dem Karneval ist bereits die Hölle los. Die Leute sind schon früh am Morgen ordentlich am Feiern und haben statt Bier in der Hand, die Flasche Schnaps unter dem Arm. Auf den Straßen gibt es Caipis für umgerechnet 1 Euro, die es in sich haben. Rio ist einfach großartig! Aber auch sau-gefährlich. Wir sind im Ausgehviertel Lapa untergekommen und jeden Abend froh, den Tag ohne Überfall oder Diebstahl überstanden zu haben.

Zuerst erkunden wir das historische Zentrum der Stadt (Downtown) und Santa Teresa, was uns allerdings nicht so begeistert. Besser gefällt uns dann ein Ausflug zum „Christo“, der wohlwollend auf seine Schäfchen in der Stadt herunterblickt. Wieder einmal haben wir großes Glück und die Wolken lichten sich, sodass wir einen tollen Blick auf die Stadt genießen können. Natürlich zeigt sich dabei auch der „Zuckerhut“, das weitere Wahrzeichen Rios, von seiner besten Seite. Am nächsten Tag ist Sonntag und wir müssen uns durch die feiernden Menschenmassen wühlen. Unser Ziel: Die berühmt-berüchtigte Copacabana. Das Wasser ist super, die Wellen ordentlich, ständig werden wir mit Nachschub (Kokosnuss, Eis, Maiskolben, Açai-Dessert, Grillkäse, Caipis, Havaianas Flipflops, etc.) von den fliegenden Händlern versorgt. Fernseher braucht man hier nicht – Rio ist großes Kino! Als wir dann auch noch die Sambaklänge der feiernden Meute hören, die Wellen im Rosarot der Abendsonne verschwinden und die Caipis immer extravaganter werden, fällt uns nur noch ein Wort ein: „WOW!“.

Am nächsten Tag regnet es in Strömen und wir sind sogar etwas froh darüber, denn alle sind nun entspannter unterwegs. Als der Regen aufhört, trinken wir am Strand eine letzte Kokosnuss und verabschieden uns. Wir verlassen den südamerikanischen Kontinent mit großen Erwartungen, denn unser nächstes Ziel ist Afrika.


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